Wegen der schleppenden Chipnachfrage hat STMicro seine Jahresziele zum zweiten Mal binnen weniger Monate heruntergeschraubt. «Entgegen unseren Erwartungen haben sich die Aufträge aus der Industrie nicht erholt, und die Nachfrage im Bereich Automotive ist zurückgegangen», sagte Jean-Marc Chery, der Chef des französisch-italienischen Chip-Herstellers, bei der Vorlage der Geschäftszahlen am Donnerstag.

Er rechnet für 2024 nur noch mit einem Umsatz von 13,2 bis 13,7 Milliarden statt 14 bis 15 Milliarden Euro. Die operative Marge werde voraussichtlich bei etwa 40 Prozent statt im «unteren 40-Prozent-Bereich» liegen. Den Analysten des Brokerhauses Stifel, Nicolaus & Co. zufolge komme die Prognose-Senkung zwar nicht völlig unerwartet, falle aber drastischer aus als gedacht.

STMicro-Aktien brachen am Donnerstag an der Pariser Börse zeitweise um mehr als elf Prozent ein, so stark wie zuletzt vor rund dreieinhalb Jahren. Dies erhöhte den Verkaufsdruck auf die übrigen europäischen Technologiewerte, die auch von schwachen Zahlen des Chipindustrie-Zulieferers BE Semiconductor in Mitleidenschaft gezogen wurden. Dessen Titel stürzten zeitweise um mehr als 17 Prozent ab. Das war der grösste Kursrutsch seit dem Börsen-Crash vom März 2020.

Der europäische Branchenindex, der sich darüber hinaus dem jüngsten Ausverkauf an der US-Technologiebörse Nasdaq nicht entziehen konnte, rutschte daraufhin um mehr als drei Prozent ab. Zu den grössten Verlierern zählte dabei mit einem Minus von bis zu 7,6 Prozent der deutsche Halbleiter-Hersteller Infineon.

Automobil-Branche ist Bremsklotz 

Im zweiten Quartal brach der Umsatz von STMicro den Angaben zufolge um etwa ein Viertel auf 3,23 Milliarden Dollar ein. Der Hauptgrund hierfür sei eine schwache Nachfrage der Autobauer. Zwar erholte sich der europäische Fahrzeugmarkt im ersten Halbjahr 2024. Die Neuzulassungen lagen aber immer noch unter dem Niveau vor Ausbruch der Corona-Pandemie 2020. Bei Elektroautos, in denen besonders viele Computerchips verbaut sind, gingen sie sogar zurück.

Durch die Absatzschwäche schrumpfte der operative Gewinn von STMicro um rund 67 Prozent auf 375 Millionen Dollar. Analysten hatten hier allerdings ebenso wie beim Umsatz deutlichere Rückgänge befürchtet. Für das laufende Quartal stellte STMicro-Chery Erlöse von 3,25 Milliarden Dollar und eine Bruttomarge von 38 Prozent in Aussicht. Letztere hatte zuletzt bei 40,1 Prozent gelegen.

Bei BE Semiconductor konnte ein boomendes Geschäft mit Maschinen zur Herstellung von Computerchips für Künstliche Intelligenz (KI) die schwache Nachfrage anderer Abnehmer nur teilweise ausgleichen. «Bei PCs und Smartphones ist kein Wachstum zu beobachten», kommentierten die Analysten des Vermögensverwalters Degroof Petercam. «Die Nachfrage von Autobauern, Industrie und Unterhaltungselektronik-Anbietern schwächelt, und die Absätze für Chip-Auftragsfertiger bewegen sich im Nirgendwo.» Die einzige Ausnahme sei TSMC. Dem taiwanischen Konzern werden KI-Spezialprozessoren aus den Händen gerissen.

Im zweiten Quartal übertraf der Auftragseingang von BE Semi mit 185,2 Millionen Euro zwar die Markterwartungen. Für das laufende Vierteljahr stellte das Unternehmen aber stagnierende Umsätze in Aussicht. Analysten hatten hier auf mehr gehofft.

(Reuters)