Scholz werde in den Vereinigten Arabischen Emiraten sicher einige Verträge für Flüssiggas (LNG) unterzeichnen können, sagte Wirtschaftsminister Robert Habeck am Montag in Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern. Ein Regierungssprecher äusserte sich dagegen deutlich vorsichtiger und sagte nur, Energie sei eines der Themen auf der Reise, die Scholz am Samstag und Sonntag nach Saudi-Arabien, die VAE und nach Katar führe.

Der Energiekonzern Uniper teilte mit, dass er die Gespräche mit Katar über mögliche LNG-Lieferungen vorantreibe, aber noch keine Einigung erzielt habe. Mit Qatar Energy verbinde Uniper seit vielen Jahren eine enge Geschäftsverbindung. "In diesem Rahmen sind wir laufend in Gesprächen mit unseren katarischen Partnern zur Ausweitung unserer Lieferungen", hiess es. RWE erklärte, seit vielen Jahren gute Geschäftsbedingungen zu Katar zu haben. "Seit dem letzten Besuch der Bundesregierung, den wir begleitet haben, sind wir in guten und konstruktiven Gesprächen über weitere LNG Lieferungen." Zum aktuellen Stand der Gespräche wolle man sich nicht äussern.

Insider: Vereinbarungen mit Versorgern bald möglich

Insidern zufolge sind die Gespräche Katars mit den Versorgern weit fortgeschritten und Vereinbarungen über langfristige Verträge bald möglich. Katar setzt dabei auf das Projekt Northfield Expansion - eines der grössten seiner Art weltweit. Es wird allerdings erwartet, dass dies erst 2026 startet. Uniper und RWE könnten sich mit Verträgen mit einer Laufzeit von 15 Jahren anfreunden, sagte ein Insider. Derzeit kaufen die Unternehmen LNG aus Katar auf dem Spotmarkt. Die Gespräche seien konstruktiver als noch vor wenigen Monaten, sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person.

Auf der zweitägigen Golf-Reise wird Scholz nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Hebestreit auch von Vertretern der Wirtschaft begleitet. Zu den Themen gehören neben Energie auch Iran sowie das Werben für den Investitionsstandort Deutschland. In Saudi-Arabien wird Scholz am Samstag den saudischen König und Kronprinz Mohammed bin Salman treffen. Am Sonntag werde der Bundeskanzler dann mit dem Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, Mohammed bin Zayed, zusammenkommen und am Nachmittag in Katar mit Emir Tamim bin Hamad Al Thani. Dieser hatte vor kurzem auch Berlin besucht.

In Katar wird es auch darum gehen, ob und in welche Höhe das Land als Lieferant von LNG-Gas für Deutschland zur Verfügung steht, russisches Pipeline-Gas zu ersetzen. Habeck (Grüne) wies darauf hin, dass er bei seinem eigenen Besuch in der arabischen Region bereits Vorarbeiten für mögliche LNG-Lieferungen gemacht habe. Wichtig sei, dass bereits in diesem und zum nächsten Winter Terminals zur Anlandung des Brennstoffes an deutschen Küsten entstünden. Die Chancen für die Inbetriebnahme in Brunsbüttel und Wilhelmshaven im Winter stünden gut. Wenn zudem ausreichend Gas gespart und man Glück mit dem Wetter habe, gebe es die Chance, gut durch diesen Winter zu kommen. Die Speicher seien am Ende dann aber leer. Derzeit bewege man sich auf einen Speicherstand von 90 Prozent zu, obwohl man Gas nicht mehr zu jedem Preis kaufe. Nach diesem Winter müssten weitere Terminals in Betrieb gehen, um auch den nächsten Winter gut zu überstehen.

(Reuters)