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Börsenwoche im Schnelldurchlauf

Schweizer Aktienmarkt: Kursschwäche greift nun sogar auf Roche und Novartis über

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Der cash Insider kommentiert die wichtigsten Börsenereignisse. Diese Woche: Auch Roche und Novartis unter Druck und was Lonza besser macht als Nestlé. Zudem: UBS lässt die Muskeln spielen - und wird bei Alcon zur «Wiederholungstäterin».

04.04.2025   12:03
Von cash Insider
Ein Roche-Mitarbeiter bei einer Präsentation.

Ein Roche-Mitarbeiter bei einer Präsentation.

Quelle: ZVG

Der cash Insider berichtet auch im Insider Briefing jeweils vorbörslich von brandaktuellen Beobachtungen rund um das Schweizer Marktgeschehen und ist unter @cashInsider auch auf X/Twitter aktiv.

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Auch den hiesigen Aktienmarktakteuren dürften die Kursverluste der letzten Tage noch immer tief in den Knochen stecken. Als der amerikanische Präsident Donald Trump am Mittwoch kurz nach 22 Uhr unserer Zeit neue Strafzölle gegen seine Handelspartner verhängte, hörte die Welt – zumindest gefühlt – für einige Sekunden auf, sich zu drehen.

Dass Washington künftig Importe aus der Schweiz mit einem Strafzoll von satten 31 Prozent belegt, überrascht vermutlich nicht nur mich. Erst kürzlich war ja von einem sehr freundschaftlichen Treffen zwischen einer Handelsdelegation aus Bern unter der Leitung von Seco-Chefin Helene Budliger Artieda und Vertretern der neuen US-Regierung die Rede. Ich hielt in diesem Zusammenhang wie folgt fest:

Wer wie ich dachte, dass die Schweiz unter dem neuen Strafzoll-Regime Trumps mit einem blauen Auge davonkäme, der irrte gewaltig. Wenigstens darf die hiesige Pharmaindustrie fürs Erste aufatmen. Pharmazeutische Produkte sind vorderhand von Importzöllen ausgenommen. Ähnliches gilt für Halbleiterprodukte. Pourvu que ça dure...

Obwohl die Kursentwicklung bei den beiden Schwergewichten Nestlé und Novartis sogar positive Vorzeichen aufwies, büsste der Swiss Market Index (SMI) gestern Donnerstag mehr als 300 Punkte ein. Dass Roche Verluste zu beklagen hatte, war hingegen zwei produktseitigen Rückschlägen mit dem MS-Mittel Ocrevus sowie mit der Gen-Therapie Elevidys geschuldet. Kurz vor dem Wochenende stehen nun auch die Aktien von Novartis unter Verkaufsdruck. In hiesigen Börsenkreisen setzt sich die Erkenntnis durch, dass früher oder später auch die Pharmaindustrie mit Strafzöllen belegt werden könnte. Hinzu kommt Verkaufsdruck über die Index-Futures. Auch dieser schlägt negativ zu Buche.

Auch die Genussscheine von Roche haben den SMI in den letzten Tagen viele wertvolle Punkte gekostet (Quelle: www.cash.ch)

Kürzlich schrieb ich, dass mich das tägliche «Trump-Bashing» in den Medien langsam aber sicher ermüden würde. Nun muss allerdings auch ich Kritik am amerikanischen Präsidenten und seiner Regierung üben. So komplex der Aussenhandel Washingtons mit dem Rest der Welt ist – so primitiv erscheint mir die «Milchbüechli-Rechnung», nach welcher sich die Höhe der Strafzölle für die jeweiligen Handelspartner richtet.

Im Fall der Schweiz gilt: Die Schweiz exportierte im vergangenen Jahr für 63 Milliarden Dollar Waren in die USA. Diese führte ihrerseits für rund 25 Milliarden Dollar Waren aus der Schweiz ein. Die Regierung in Washington dividiert nun die Differenz von 38 Milliarden Dollar durch die 63 Milliarden Dollar – was einem Handelsbilanzdefizit von knapp 62 Prozent entspricht. Durch zwei geteilt ergibt das die 31 Prozent, welche bei den Strafzöllen zur Anwendung kommt.

Ich muss einmal mehr unserem Bundesrat ein Kränzchen winden. Er ist gut beraten, nicht überhastet mit Gegenmassnahmen zu drohen oder gleich zu solchen zu greifen. Mit anderen Worten: Die Politik in Bern sollte möglichst rasch wieder eine Delegation nach Washington entsenden und dort mit den Amerikanern an einen Tisch sitzen. Verhandlungsbasis könnte der weit fortgeschrittene Entwurf für das Freihandelsabkommen zwischen den beiden Ländern sein, das nach der ersten Amtszeit Trumps unter seinem Nachfolger Joe Biden wieder in der Pultschublade des Oval Office verschwand.

Politische Börsen haben kurze Beine, besagt eine alte Faustregel. Ob es sich auch diesmal so verhält? Gut möglich, dass die hohen Strafzölle bloss «Mittel zum Zweck» sind und die Regierung in Washington diese vor allem dazu nutzt, die Handelspartner möglichst rasch an den Verhandlungstisch zu bringen. Ich weiss nicht, ob Trump und seinen Kabinettsmitgliedern im Weissen Haus bewusst ist, dass letztendlich wohl die dortigen Konsumentinnen und Konsumenten die Zeche bezahlen werden. Dass die Unternehmen die entstehenden Mehrkosten – womöglich – auf die Endabnehmer überwälzen, gilt nämlich als so sicher wie das Amen in der Kirche.

Wenden wir uns nun aber dem hiesigen Börsengeschehen zu. Dem letztjährigen SMI-Gewinner Lonza konnte das neue Strafzoll-Regime Washingtons gestern Donnerstag nicht grossartig etwas anhaben. Zeitweise notierten die Valoren des Pharmazulieferers aus Basel gar im Plus.

Der Kauf einer ehemaligen Genentech-Produktionsstätte in den USA erweist sich immer mehr als ein Glücksfall für die Basler. Ich hielt schon in den ersten Februar-Tagen wie folgt fest:

...und weiter...

Vor diesem Hintergrund überrascht es mich nicht, wenn der für die Basler Kantonalbank tätige Analyst Elmar Sieber die Aktien von Lonza mit einem unverändert 630 Franken lautenden Kursziel von «Marktgewichten» auf «Übergewichten» heraufstuft. Er hält die Kursschwäche der letzten Wochen für übertrieben.

Die Genussscheine von Roche stuft Sieber hingegen wie bis anhin mit «Marktgewichten» und einem Kursziel von 292 Franken ein. Die Valoren von Novartis stuft er sogar mit «Übergewichten» ein und setzt das Kursziel bei 110 Franken fest.

An dieser Stelle möchte ich nochmals kurz auf Lonza zu sprechen kommen. Vor wenigen Tagen meldeten die Basler den Abschluss des 2 Milliarden Franken schweren Aktienrückkaufprogramms. Im Zuge dieses Programms erwarb der Pharmazulieferer rund 4,2 Millionen Titel zu einem Durchschnittskurs von 471,73 Franken. Der tiefe Durchschnittskurs lässt darauf schliessen, dass vor allem in die Kursschwäche ab September 2023 hinein wacker Aktien zugekauft wurden.

Damit zeigt Lonza sogar der deutlich grösseren Nestlé, wo der «Bartli» den Most holt. Zur Erinnerung: Über die Weihnachtstage informierten der Nahrungsmittelmulti darüber, dass das milliardenschwere Aktienrückkaufprogramm abgeschlossen worden sei. Wie damals aus der Mitteilung an die Medien hervorging, wurden in den vorangegangenen knapp zwei Jahren 187,4 Millionen Aktien zu einem durchschnittlichen Preis von 106,74 Franken das Stück zurückgekauft.

Ich begegnete diesen Zahlen mit folgenden Worten:

Einmal mehr ihre Muskeln spielen liess diese Woche die UBS. Mit einer Unternehmensstudie zündete die grösste Schweizer Bank bei den Aktien von Also ein wahres Kursfeuerwerk. Eine Erstabdeckung mit «Buy» und einem Zwölf-Monats-Kursziel von 320 Franken reichte am Dienstag aus, um die Papiere innerhalb weniger Stunden von 241 auf 261 Franken zu hieven. Die Freude über diese Gewinne sollte allerdings nur von kurzer Dauer sein. Mittlerweile werden wieder Kurse unter 240 Franken bezahlt.

Aufstieg und Fall der Also-Aktien rund um die Kaufempfehlung durch die UBS (Quelle: www.cash.ch)

Das mag mit der allgemeinen Börsenschwäche zu tun haben, könnte aber auch daran liegen, dass der Autor Christopher Tong in der Unternehmensstudie eigentlich nicht mit wirklich neuen Erkenntnissen aufwartet. Seine Argumente drehen sich einerseits um den kürzlich bekannt gewordenen Kauf von Teilen des Partners Westcoast, andererseits aber auch um die von vielen anderen Analysten ebenfalls erwartete Belebung des Tagesgeschäfts. Selbst die Gewinnschätzungen Tongs bewegen sich im Rahmen der durchschnittlichen Markterwartungen.

Dennoch beeindruckt mich die Marktmacht der UBS, seit sie sich die Credit Suisse einverleibt hat, immer wieder aufs Neue. Wenn die grösste Schweizer Bank eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung ausspricht, bewegt sie die Kurse – und das nicht zu knapp.

Bleiben wir noch kurz beim Thema UBS. Als mir kürzlich ein Kommentar aus den Handelsräumen der UBS zugespielt wurde, da staunte ich nicht schlecht. Darin sprachen die Autoren nämlich eine taktische Kaufempfehlung für die Aktien von Alcon aus. Das hatten wir doch schon mal.

Bereits Ende Dezember pries man die Valoren der ehemaligen Novartis-Tochter bei Kursen um die 78 Franken im Rahmen einer «schnellen Wette» an. Doch erst Wochen später weckte der hauseigene Analyst Graham Doyle die Aktien aus ihrem Dornröschenschlaf. Hierfür bedurfte es einer nicht weniger als 31 Seiten starken Unternehmensstudie. Für steigende Kurse sorgte diese Studie weniger wegen der Kaufempfehlung selber, als vielmehr wegen der Aussage, dass der Autor den Aktien des Ophthalmologieunternehmens bis in zwölf Monaten um 50 Prozent höhere Kurse und bis in 24 Monaten sogar um 70 Prozent höhere Kurse zutraue. Doch schon bei etwas mehr als 82 Franken stellte man die taktischen Titelpositionen wieder glatt.

Nun kommt es bei den Valoren von Alcon also zu einem weiteren Gastspiel der Grossbank – und siehe da: Nur wenige Tage nach der taktischen Kaufempfehlung meldet sich erneut der hauseigene Analyst zu Wort. In einer weiteren Unternehmensstudie verleiht er seiner Kaufempfehlung mit einem Zwölf-Monats-Kursziel von 100 Franken nochmals Nachdruck. Alles bloss ein Zufall – oder geht die UBS hier nach einem bewährten Schema vor?

Kommende Woche läutet mit Givaudan das erste Unternehmen aus dem SMI die Berichterstattung für das erste Quartal ein. Mein persönliches Interesse gilt jedoch eher den Umsatzzahlen von DocMorris. Mal schauen, ob sich das Wachstum bei der Versandapotheke endlich beschleunigt hat. Ausserdem dürfte das Unternehmen mit Detailinformationen zur geplanten Kapitalerhöhung aufwarten. Mehr dazu nächsten Freitag, wenn es wieder heisst: Die Börsenwoche im Schnelldurchlauf.

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.

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