Die Sandoz-Stiftung hat über ihre Beteiligungsgesellschaft Emasan AG in einer beschleunigten Bookbuilding-Transaktion insgesamt 26,5 Millionen Novartis-Aktien verkauft. Nachdem der Titel am Dienstagabend bei Börsenschluss noch bei 100,50 Franken notierte, schloss er am gestrigen Mittwoch 3,4 Prozent tiefer bei 97,03 Franken. Bis am Donnerstagnachmittag erholte sich der Titel wieder etwas auf 97,44 Franken.
Ein Börsenhändler zeigte sich irritiert über diese Nacht-und-Nebel-Aktion, zumal Novartis offiziell keine Stellung dazu nahm. Einzig am Dienstagabend bestätigte der Konzern gegenüber Reuters die Richtigkeit dieser Transaktion - die Nachrichtenagentur hatte als erste über den anstehenden Verkauf berichtet.
Omar Brem, Research-Chef der Zürcher Kantonalbank (ZKB), erklärt gegenüber cash.ch, dass es in einem solchen Fall nicht ungewöhnlich sei, dass sich keine der beteiligten Parteien äussere. Solche Aktienplatzierungen würden im Grundsatz nicht in Absprache mit dem Unternehmen - wie in diesem Fall Novartis - durchgeführt.
Für Brem ist eher aussergewöhnlich, dass nur eine Bank bei der Transaktion involviert war. Meistens sind es zwei oder drei Banken, welche eine solche stemmen. «Immerhin ist die Transaktion zügig über die Bühne und der Abschlag war mit knapp 2,5 Prozent nicht sehr hoch», erläutert der Research-Chef der ZKB weiter.
Verkauft die Sandoz-Stiftung noch mehr Novartis-Aktien?
Der Markt hat den Verkauf der Novartis-Aktie durch die Sandoz-Stiftung gut absorbiert, sagt Roman Przibylla, Leiter Investitionen von Maverix. Die Diversifikationsgründe wurden glaubhaft vermittelt und auch in Marktkreisen wurde der Verkauf nicht allzu negativ bewertet. «Wir gehen nun sogar eher davon aus, dass Novartis nachhaltig weiter steigen kann. Die letzten Quartalszahlen waren über den Erwartungen, und die aktuelle Sektorenrotation zu Gunsten der Gesundheitsbranche geben zusätzlich Rückenwind.»
Die Transaktion könnte trotzdem einen negativen Einfluss haben. Erstens ist unklar, ob alle Titel von institutionellen Kunden übernommen wurden und Goldman Sachs nicht Aktien auf das eigene Buch genommen hat. Dies könnte künftig zu Verkäufen durch die US-Investmentbank führen, sollten die restlichen Titel nicht platziert werden können.
Zweitens fällt die Novartis-Beteiligung der Sandoz-Stiftung nach der Transaktion unter die Schwelle von drei Prozent. Damit kann die Sandoz-Stiftung in Zukunft Aktienpakete veräussern, ohne die Schweizer Börse SIX informieren zu müssen, sagt ZKB-Experte Brem. Meldepflichtig sind Investoren, die den Grenzwert von 3 Prozent der Stimmrechte an einem Unternehmen erreichen, über- oder unterschreiten.
Jörg Denzler, Mediensprecher der Sandoz-Stiftung, sagte auf Anfrage von cash.ch, die Transaktion diene einzig und allein der Diversifikation der Anlagen. Der Fokus lag vollständig auf der Risikooptimierung. In einem grösseren Umfang hat die Stiftung letztmals 2002 23 Millionen Stück verkauft, betont Denzler den langfristigen Charakter.
Novartis-Anteil am Stiftungsvermögen nahm zu
Das Wirtschaftsmagazin Bilanz schätzte 2016 das Vermögen der Sandoz-Stiftung auf rund 10 Milliarden Franken, die Titel von Novartis notierten noch bei 60 Franken. Umgerechnet machte die Beteiligung am Basler Pharmakonzern damals etwas mehr als die Hälfte des Stiftungsvermögens aus.
Somit hat der Wert der Novartis-Beteiligung bei einem Aktienkurs von 98 Franken um mehr als drei Milliarden Franken zugenommen. Da sich die anderen Stiftungsinvestments im Bereich Hotellerie, Kunst oder Uhrenbereich wohl nicht ähnlich gut entwickelt haben, dürfte die Beteiligung am Gesamtvermögen für den Stiftungsrat zu gross geworden sein. Eine Risikoreduktion der grössten Beteiligungsposition erschien deshalb als angebracht.
Fazit: Insgesamt ist der Verkauf des Aktienpakets durch die Sandoz-Stiftung aus Diversifikationsgründen wegen der Kursgewinne auf der Novartis-Position nachvollziehbar. Mit einem weiteren, zeitnahen Verkauf von weiteren Titeln ist nicht zu rechnen. Vielmehr dürfte eine weitere Reduktion der Beteiligung erst dann wieder auf die Agenda kommen, wenn die Novartis-Aktie in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten wieder in ähnlichem Umfang steigt und damit der Portfolio-Anteil in der Sandoz-Stiftung wieder so anschwillt, dass eine erneute Diversifikation notwendig wird. Dies dürfte einen Moment dauern.
2 Kommentare
Der Artikel ist soweit interessant, interessanter wäre aber noch, was macht Sandoz mit diesem Geld?
"Die Stiftung bezweckt die Unterstützung der Nachkommen von Herrn Edouard Constant Sandoz (1853-1928) als Destinatäre in besonderen Lebenslagen im Rahmen von Art. 335 ZGB. Die Stiftung kann insbesondere Studien, Forschungsarbeiten, besondere Projekte und Praktikas von Destinatären unterstützen. Sie kann den Destinatären eine Starthilfe zur Einrichtung in ihrem Beruf und eine Aussteuer im Falle ihrer Verheiratung leisten. Überdies kann sie Leistungen zur Linderung von gesundheitlichen Beeinträchtigungen im Falle von Krankheit, Unfällen, Altersschwäche etc. erbringen und in diesem Zusammenhang anfallende Behandlungs- und andere Kosten tragen".
Da die Stiftung ihren Sitz in Glarus hat, ist davon auszugehen, dass sie nicht vollständig steuerbefreit ist. Aber sie hat ja soviel Geld, dass sie wohl auch steuerbefreite Zwecke erfüllen wird/muss. Sonst wird die Stiftung zur Bank, und das hat die Aufsichtsbehörde nicht gern.
In Bezug auf den Verkauf der Novartis-Aktien: Hätte es da nicht ein besseres Vorgehen gegeben? Ist das nicht ein Knieschuss?