Die Daten zur US-Konjunktur seien zwar solide und die Lage auf dem Arbeitsmarkt gut, so die Einschätzung des Chefs des Fed-Bezirks Chicago. Aber die Einführung neuer Zölle, die Importe teurer machen, könne die Inflation wieder anheizen oder die Wirtschaft bremsen. Die US-Notenbank ist also in Sorge. Und zuletzt wurden Anleger immer wieder von Rezessionsängsten gepackt. Wo steht die US-Wirtschaft und wohin steuert sie unter Trump? Ein Überblick:
Wirtschaft kühlt sich ab
Bereits vor der Rückkehr Trumps ins Weisse Haus am 20. Januar hat sich die Wirtschaft abgekühlt: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im vierten Quartal 2024 aufs Jahr hochgerechnet nur noch um 2,4 Prozent zu, nach 3,1 Prozent im Sommer. 2024 wuchs die US-Wirtschaft insgesamt recht kräftig um 2,8 Prozent. Die US-Notenbank stellt sich allerdings auf eine Abkühlung ein. 2025 dürfte der Fed zufolge nur noch ein Plus von 1,7 Prozent herausspringen. Bremsspuren könnte demnach auch die Zollpolitik Trumps hinterlassen. Notenbankchef Jerome Powell bescheinigte der Wirtschaft jedoch Stärke. Trotz eines gestiegenen Rezessionsrisikos sei diese Gefahr nicht als hoch einzuschätzen. Sorgen vor einer schrumpfenden Wirtschaft im Zuge der Zollpolitik Trumps hatten bereits zu Börsenturbulenzen geführt.
Industrie schrumpft
Neue Sorgen löste die US-Industrie aus, die aus der Wachstumsspur geraten ist. Der Einkaufsmanagerindex für den Wirtschaftsbereich sank im März auf 49 Punkte von 50,3 Zählern im Vormonat, wie aus der Firmenumfrage des Institute for Supply Management (ISM) hervorgeht. Damit blieb der Sektor, der für gut zehn Prozent der US-Wirtschaftsleistung steht, unter der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. «Für den Rückgang verantwortlich dürfte die wankelmütige US-Politik sein, die mit der Einführung und Erhöhung von Zöllen gegenüber vielen Handelspartnern für Verunsicherung und auch höhere Kosten sorgt», sagte Helaba-Experte Ulrich Wortberg zu den ISM-Daten. Die Wachstumssorgen würden tendenziell grösser.
Die Geschäfte der US-Dienstleister sind im Februar zwar überraschend gut gelaufen. Der Einkaufsmanagerindex stieg auf 53,5 Punkte. Doch für die am Donnerstag anstehenden Daten für März wird ein Rückgang auf 53,0 Zähler erwartet. Damit würde der dominante Sektor in den USA zwar weiter wachsen, aber langsamer.
Hartnäckige Inflation
Die Inflation in den USA erweist sich trotz der straffen geldpolitischen Linie der Zentralbank als zäh. Die Fed verfehlt ihr Ziel einer Teuerungsrate von zwei Prozent weiterhin: Sie achtet besonders auf die Preisentwicklung eines festen Warenkorbs, der auf die persönlichen Ausgaben der Konsumenten zugeschnitten ist. Mit 2,5 Prozent stieg dieses Inflationsmass - der sogenannte PCE-Index - im Februar genauso stark wie im Januar. Die Verbraucherpreise (CPI) legten im Februar um 2,8 Prozent zu und damit nicht mehr ganz so stark wie zu Jahresbeginn, als die Lebenshaltungskosten noch um 3,0 Prozent anzogen.
Verbraucher befürchten steigende Preise
Die Verbraucher in den USA erwarten, dass die Preise auf kurze Sicht kräftig anziehen werden. Mit Blick auf die kommenden zwölf Monate rechnen sie laut der aktuellen Umfrage der Universität Michigan mit einer Teuerungsrate für Waren und Dienstleistungen von 5,0 Prozent, im Februar hatten sie 4,3 Prozent veranschlagt. Der März-Wert ist die höchste Inflationserwartung, die seit November 2022 je gemessen wurde. Auch die US-Notenbank ist alarmiert: «Die Menschen äussern uns gegenüber eine gewisse Unsicherheit, die mit Angst einhergeht», meint US-Währungshüter Goolsbee. Sie wollten nicht zu einem inflationären Umfeld wie 2021 und 2022 zurückkehren.
Endet Aufschwung am Arbeitsmarkt?
Zwei Drittel der Verbraucher erwarten laut der Umfrage der Uni Michigan im kommenden Jahr auch einen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Dies ist der höchste Wert seit 2009. Dabei ist die Arbeitslosenquote mit zuletzt 4,1 Prozent noch immer auf einem Niveau, das mit Vollbeschäftigung, dem erklärten Ziel der Fed, im Einklang steht. Doch da Trump beim Personal des US-Regierungsapparats die Axt angelegt hat, könnte es eine böse Überraschung geben: «Endete im März der zweitlängste Aufschwung am US-Arbeitsmarkt seit dem Zweiten Weltkrieg?», fragt etwa Commerzbank-Ökonom Christoph Balz.
Zumindest sei nicht auszuschliessen, dass die Beschäftigung ausserhalb der Landwirtschaft im März zum ersten Mal seit Januar 2021 wieder abgenommen habe. Die Commerzbank geht allerdings davon aus, dass unter dem Strich im März 90.000 Stellen aufgebaut wurden. Im Februar waren es noch 151.000. Ein Plus von rund 100.000 Jobs pro Monat gilt als ausreichend, um die wachsende US-Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter mit Jobs zu versorgen.
(Reuters)