Die Aussichten für den Luxusgüterkonzern Richemont und den Uhrenkonzern Swatch verschlechtern sich laut der Bank Vontobel aus mehreren Gründen. Luxusmüdigkeit - eine Art Sättigung nach dem Boom der letzten Jahre - komme auf, heisst es in einem Kommentar vom Mittwoch, zudem lasse der Wohlfühlfaktor nach, also das gute Gefühl, das Menschen beim Konsum von Luxusgütern haben. Und schliesslich verschlechtere sich die Konsumentenstimmung.

Die Einschätzung hat Folgen für die Kursziele. Der zuständige Vontobel-Analyst setzt jenes für Richemont auf 165 von 185 Franken herab; jenes für Swatch reduziert er auf 160 von 180 Franken. Die Einstufung lautet für beide Aktien «Hold».

Andere Analysten haben jüngst ähnliche Anpassungen vorgenommen. So senkte die britische Bank Barclays am Dienstag das Kursziel für Richemont auf 171 von 175 Franken, beliess das Rating allerdings auf «Overweight». Die Expertin von HSBC ging Ende März bei Swatch auf 150 von 180 Franken, wobei das Rating nach wie «Hold» lautet.

Sich verschlechternde Konsumentenstimmung in den USA

Mit den neuen Preiszielen liegt der Experte der Bank Vontobel noch über den aktuellen Notierungen der Valoren von Richemont und Swatch. Deren unmittelbare Reaktion am heutigen Mittwoch ist entsprechend verhalten. Richemont büsst 0,6 Prozent auf 153,60 Franken ein und knüpft folglich an den Anfang März eingesetzten Abwärtstrends an. Swatch verliert 0,7 Prozent auf 148,20 Franken und setzt damit den jüngsten, seit Ende Februar anhaltenden Negativtrend fort.

Indes reichen die Überlegungen über die unmittelbare Gegenwart hinaus. «Wir senken unsere Schätzungen für Richemont und Swatch Group, um die sich verschlechternde Verbraucherstimmung in den USA – dem wichtigsten Wachstumstreiber der letzten Jahre – zu berücksichtigen.» In den letzten fünf Jahren hätten die USA nahezu die Hälfte der Schweizer Uhrenexporte ausgemacht, 54 Prozent seien es zusammen mit Japan gewesen. Die Länder seien die Uhrenmärkte Nummer eins und drei. Doch das US-Konsumentenvertrauen leidet, wie die Daten der Universität Michigan zeigen. Der einschlägige Index ging seit März 2024 um 28,2 Prozent auf 57 Punkte zurück.

Auch die offizielle Statistik der Schweiz besagt, dass das Umfeld für Uhren und andere Luxusgüter schwieriger geworden ist. Nach Angaben des Bundesamtes für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) sanken die Ausfuhren von Bijouterie und Juwelierwaren im Februar gegenüber dem Januar um 388 Millionen Franken. Zugleich gingen die Uhrenexporte um 137 Millionen Franken zurück. Letztere seien damit umsatzmässig auf den niedrigsten Stand seit September 2024 gefallen, schrieb das BAZG. 

Richemont hat Stellung bei Schmuck gefestigt

Eine positive Feststellung macht die Bank Vontobel bei den Schmuckverkäufen von Richemont. Das Genfer Unternehmen habe seine Dominanz im Schmucksegment in den letzten fünf Jahren gefestigt. Dem zuständigen Analysten zufolge betrug das Umsatzwachstum in den letzten fünf Jahren durchschnittlich über 18 Prozent pro Jahr. Damit liegt Richemont mit Ausnahme von Hermès deutlich über dem Wachstum der Mitbewerber. Zusammen mit LVMH habe Richemont mit Schmuck einen Umsatz von 20 Milliarden Franken erzielt. Kering, Chanel, Hermès, Graff, Swatch Group und Chopard hätten hingegen weniger als fünf Milliarden Franken erwirtschaftet.

Reto Zanettin
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