Nach der Grossübernahme der Credit Suisse versucht der Bankenriese UBS Insidern zufolge, mit Konzessionen deutlich strengere Kapitalvorgaben abzuwenden. So habe das Schweizer Institut der Politik angeboten, den Anteil des riskanten Investmentbankings auf rund 30 Prozent des Gesamtgeschäfts zu begrenzen, sagte zwei mit der Situation vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Ende 2024 machte das Investmentbanking 21 Prozent der risikogewichteten Aktiva der fusionierten Bank aus. Während der Finanzkrise waren es bei UBS und Credit Suisse kombiniert noch rund drei Viertel gewesen. Die UBS ist Insidern zufolge zudem bereit, mehr Kapital vorzuhalten - aber nicht so viel, wie die Finanzmarktaufsicht Finma und die Schweizerische Nationalbank (SNB) fordern.
Nach dem Kollaps der Credit Suisse im Jahr 2023 hat die Regierung einen Strauss von Massnahmen vorgeschlagen, um ein ähnliches Debakel bei der einzigen verbleibenden Grossbank des Landes zu verhindern. Der umstrittenste ist dabei die Aufpolsterung der Bilanz. Gemäss dem bestehenden Regelwerk muss das Geldhaus nach der Fusion ohnehin 17 bis 19 Milliarden Dollar an zusätzlichem Kapital aufbringen. Nach dem Willen der Aufsichtsbehörden und der Regierung soll das Polster aber noch dicker werden, um das Risiko für die Steuerzahler bei einem Zusammenbruch der einzig verbliebenen Grossbank der Schweiz zu minimieren. Die Frage ist nun, wie viele Milliarden noch oben drauf kommen sollen. Das Finanzministerium will Ende Mai einen Vorschlag machen. Finanzministerin Karin Keller-Sutter hatte im April 2024 Schätzungen von 15 bis 25 Milliarden Dollar an zusätzlichen Mitteln als plausibel bezeichnet. Entscheiden muss am Ende das Parlament, oder es gibt sogar eine Volksabstimmung.
UBS soll nur fünf Milliarden Franken bieten
Die UBS wehrt sich gegen eine deutliche Verschärfung, weil sie befürchtet, damit an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren und weniger Geld an die Aktionäre ausschütten zu können. Zwei mit der Situation vertrauten Personen zufolge ist die UBS bereit, das Kapital mit weiteren fünf Milliarden Dollar zu stärken. Wenn die Bank jedoch, wie von der Finanzmarktaufsicht Finma vorgeschlagen, ihre ausländischen Einheiten zu 100 Prozent mit Eigenmitteln unterlegen müsste statt wie bisher zu 60 Prozent, könnte die Gesamtsumme auf mehr als 40 Milliarden Dollar hochschnellen, wie aus einer Präsentation der UBS für Parlamentsabgeordnete hervorgeht. Das würde die Fähigkeit der Bank einschränken, im Ausland zu wachsen, insbesondere im Schlüsselmarkt USA.
Seit Monaten liefern sich die Regierung und die Bank in der Kapitaldebatte einen Schlagabtausch. «Im Rückblick hätte ich ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass uns das grösste Hindernis auf dem Weg zu nachhaltigem Erfolg ausgerechnet von denselben Behörden in den Weg gelegt werden würde, die uns gebeten hatten, zur Stabilisierung einer Situation beizutragen, die wir nicht verursacht haben», erklärte Konzernchef Sergio Ermotti vergangene Woche. Zwei mit den Gesprächen vertraute Personen sagten, die Bank könnte anfällig für eine Übernahme werden, wenn hohe Kapitalanforderungen die UBS-Aktie unter Druck setzten. Eine der Personen sagte, als grösster globaler Vermögensverwalter könnte das Zürcher Institut ins Visier von ausländischen Bankriesen wie Morgan Stanley, JPMorgan, Goldman Sachs und HSBC geraten.
Ein UBS-Sprecher erklärte, die Bank unterstütze die Vorschläge der Regierung zur Stärkung der Finanzstabilität grundsätzlich. Unverhältnismässige Massnahmen lehne sie aber ab. «UBS gehört bereits heute zu den am besten kapitalisierten Banken der Welt.» Zu möglichen Vorschlägen der UBS wollte sich das Finanzministerium (EFD) nicht äussern. «Das EFD steht mit der UBS im Austausch», so ein Sprecher. «Es finden aber keine Verhandlungen statt.» Das Ministerium plane eine Kosten-Nutzen-Analyse der höheren Kapitalanforderungen an die UBS.
Szenario Hauptsitzverlegung
Während die Kapitaldebatte tobt, prüft die UBS Insidern zufolge alle möglichen Szenarien, darunter auch die Verlegung ihres Hauptsitzes ins Ausland. Sie habe aber nicht die Absicht, die Schweiz zu verlassen, sagten zwei mit der Diskussion vertraute Personen. Experten zufolge würde ein solcher Umzug hohe Kosten verursachen und neue regulatorische Bürden bringen. Gleichzeitig könnte ein Teil der Millionäre und Milliardäre, die ihr Vermögen bei einer Schweizer Bank anlegen wollen, abspringen.
Für die Grünen-Abgeordnete und Bankenexpertin Franziska Ryser ist die Drohung, die UBS könnte die Schweiz verlassen, deshalb nicht realistisch. «Das wird man in aller Ruhe ausdiskutieren und dann eine angemessene Lösung finden», erklärte sie mit Blick auf die Parlamentsdebatte. «In diesen Fragen kommen keine extremen Vorgaben.»
(Reuters)
4 Kommentare
Ich bezweifle sehr, dass es im Ausland mehr Voreile gibt für die UBS. 10 Jahre keine Boni auszahlen. Die CS hat über 10 Jahre 40 Milliarden an Boni geraubt. Also geht doch.
...geht eben nicht , die CS ist untergegangen...
Es ist auch Zeit, dass sich die UBS etwas für ihren Verbleib in der Schwriz tut, um nicht das "S" im Namen zu verlieren, obwohl sie ja schon längst nicht mehr schweizerisch, sondern in ausländischen Händen ist. Ihre Stärke als Vermögensverwaltung würde sie bei einem Auszug aus der Schweiz wohl rasch verlieren...
Hätte die mit dem Bankverein fusionierte UBS alle damals eigenen Immobilien behalten, wäre das Eigenkapital jetzt fast doppelt so hoch wie das jetzt geforderte.