Nach höheren Importzöllen für Mexiko, Kanada und China sowie auf Stahl und Autos holt Trump am Mittwoch zum Rundumschlag voraussichtlich mit einem pauschalen Einfuhrzoll aus. In den vergangenen Monaten stiegen die US-Containerimporte per Schiff schon auf Rekordniveau, da Unternehmen schnell noch ihre Waren vor Inkrafttreten der höheren Zölle in die USA liefern wollten. Pharmaprodukte oder Autoteile wurden vermehrt in Flugzeuge gepackt, wie Lufthansa Cargo und DHL erklärten.

Das treibt die Frachtraten in die Höhe - so verteuerte sich ein 40-Fuss-Schiffscontainer aus Fernost an die US-Westküste binnen eines Tages um 16 Prozent auf 2844 Dollar. «Die gestaffelte Einführung von Zöllen hat zu wachsender Verwirrung geführt», erklärte Blake Harden, Experte für internationalen Handel des amerikanischen Einzelhandelsverbandes RILA. Die Firmen hätten nicht genug Zeit und Klarheit, um die Änderungen umzusetzen.

So kurzfristig, wie Grenzabgaben unter Trump verhängt werden, können sie auch wieder geändert werden, wenn betroffene Länder den USA Zugeständnisse machen. Importeure könnten ihre Kosten nicht planen, wenn sich die Zölle wöchentlich änderten, sagte Kit Johnson von der US-Zollagentur John S. James, die Unternehmen aus Branchen wie Auto, Chemie und Pharma oder Textil bei der Abwicklung von Zollangelegenheiten hilft. Seine Leute machen derzeit 20 bis 30 Überstunden in der Woche. «Wir wissen nicht wirklich, was uns genau erwartet, bis wir die Durchführungsverordnung sehen. Und dann ist es ein verrücktes Gedränge, herauszufinden, was zu tun ist.»

Zollbehörde kommt nicht hinterher

Auf die Schifffahrt könnten nach einem weiteren Plan Trumps ausserdem hohe Hafengebühren für Schiffe mit Verbindungen zu China zukommen. Fachleute warnen, dass dies die heimische Landwirtschaft und Energieexporteure treffen könnte, die Trump eigentlich unterstützen will. So wie während der Corona-Pandemie könnten manche Häfen überlaufen und andere verwaisen, um höhere Gebühren zu vermeiden. Die Szenarien machen Verantwortliche in den Firmen ratlos. «Man kann keine wichtigen Entscheidungen über die Lieferkette treffen, wenn sich die Spielregeln ständig ändern», sagte Peter Sand, Chef-Analyst bei Xeneta, eines auf Fracht spezialisierten Beraters.

Experten beginnen bereits, den Schaden von Trumps Zöllen zu kalkulieren. So erwartet S&P Global Market Intelligence, dass das Volumen der US-Containerfrachtimporte in diesem Jahr um 0,7 Prozent sinken wird. «Das starke Wachstum im ersten Quartal wird sich voraussichtlich im zweiten Quartal umkehren, wenn die Zölle zubeissen», erklärte S&P.

Die US-Zoll- und Grenzschutzbehörde arbeitet unterdessen fieberhaft daran, Systeme neu zu programmieren und zu testen, die zum Berechnen und Einziehen der Zölle gebraucht werden. Die Trump-Administration hat im Februar einen Plan verschoben, mit dem Zölle auf Direktverkäufe von kleinpreisigen Waren von Einzelhändlern wie Temu und Shein erhoben werden sollten, nachdem sich Pakete am John F. Kennedy International Airport in New York gestapelt hatten. Der Zoll habe zu wenig Zeit, die Software umzuprogrammieren und zu testen, sagte Zollmakler Johnson. «Je mehr Zölle wir haben, desto schwieriger wird es für alle sein, Schritt zu halten.»

(Reuters)