Damit unterscheidet sich Novartis nach dem «Liberation Day» und den damit einhergehenden Zollentscheiden von Donald Trump von den anderen Pharmawerten. Roche beispielsweise verliert mehr als 2 Prozent. Allerdings hatte Roche am Vortag einen Forschungs-Misserfolg mit dem MS-Mittel Ocrevus vermeldet. Dies schürt bei Analysten die Sorge, dass Roche das Patent für seinen Blockbuster kaum noch über 2028/29 hinaus verlängern kann.
Die relativ gute Entwicklung bei Novartis hat auch damit zu tun, dass pharmazeutische Produkte von den US-Zöllen ausgeschlossen bleiben, was Investoren mit Erleichterung quittieren. Am Vortag noch war die Gesundheitsbranche europaweit unter Druck gekommen, weil befürchtet wurde, dass auch sie Opfer der US-Zollpolitik würde. 55 Prozent der US-Exporte auf das Konto der pharmazeutischen Industrie.
Positiv wirkt sich für Novartis auch die Meldung zum Mittel Vanrafia zur Behandlung der progressiven Nierenerkrankung IgAN - auch bekannt als Morbus Berger - aus. Der Basler Pharmakonzern hatte sich den Kandidaten 2023 im Zuge der Milliarden-Übernahme von Chinook Therapeutics ins Portfolio geholt.
Bei Morbus Berger greift das Immunsystem die Nieren an, wobei es bei 50 Prozent der Patienten innerhalb von 10-20 Jahren zu einem Nierenversagen kommt. Sie zählt zu den häufigsten autoimmunen Nierenerkrankungen.
Kursentwicklung von Novartis.
Wie Novartis in einer Mitteilung schreibt, erhielt das Präparat eine beschleunigte Zulassung der US-Gesundheitsbehörde FDA. Diese erfolgte aufgrund einer Zwischenanalyse der Phase-III-Studie Align, in der die Verringerung der Proteinurie, also dem Eiweiss im Urin, nach 36 Wochen im Vergleich zu Placebo gemessen wurde.
Der zuständige Analyst belässt das Kursziel auf 118 Franken mit einer Kaufempfehlung. Das ist derzeit das höchste Kursziel bei den von Bloomberg erfassten Daten und impliziert ein Aufwärtspotenzial von 20 Prozent. Angesichts der anhaltenden Seitwärtsbewegung der Novartis-Aktie ist das ziemlich optimistisch.
Das durchschnittliche Preisziel beträgt derzeit lediglich 103,03 Franken. Acht der Analysten sprechen eine Kaufempfehlung aus, 17 sind für «Halten» und vier würden den Titel verkaufen.
Die weitere Zulassung des Wirkstoffs könne laut Vontobel von der Überprüfung des klinischen Nutzens der laufenden Phase-III-ALIGN-Studie abhängen, in der untersucht wird, ob Vanrafia das Fortschreiten der Krankheit verlangsame. Diese Daten werden für 2026 erwartet und sollen die traditionelle FDA-Zulassung unterstützen.
(cash, mit Agenturmaterial von AWP)