Swiss Re blickt auf ein bewegtes Jahr 2024 zurück: Zur Jahresmitte übergab Firmenchef Christian Mumenthaler den Stab an Andreas Berger, dieser musste im Herbst eine deutliche Erhöhung der Reserven im US-Haftpflichtgeschäft verkünden. Und in Florida und anderen Teilen der Welt beschäftigten schwere Naturkatastrophen den Rückversicherer. Darüber hinaus stellte Swiss Re die Rechnungslegung auf die neu geltenden Standards - IFRS 17 - um.
Trotz mehreren Belastungsfaktoren rechnen Swiss Re und Analysten damit, dass die vorgegebenen 3 Milliarden Dollar Jahresgewinn erreicht werden. Die im Schlussquartal angefallenen Naturkatastrophenlast könne die Gruppe gut absorbieren, heisst es in Analystenkommentaren. Positiv wirkte sich derweil das gute Börsenjahr aus. Die Kapitalisierung dürfte sich gemessen an der SST-Solvenzquote weiter auf hohem Niveau bewegen und die Türe für eine Dividendenerhöhung eröffnen.
Laut AWP-Konsens werden der Versicherungsumsatz bei 45’146 Millionen Dollar und das Reinergebnis bei 3’178 Millionen Dollar gesehen. Das Combined Ratio in der Sparte P&C wird bei 90,3 Prozent erwartet, während Experten von einem Combined Ratio bei den Corporate Solutions von 90,1 Prozent ausgehen. Vergleichszahlen vom Vorjahr gibt es aufgrund des Wechsels der Rechnungslegung nicht. Eine Erhöhung der vielbeachteten Dividende von 6,80 Dollar auf 7,25 Dollar wird erwartet.
Noch unklar ist, wie hoch die Schäden zu den verheerenden Waldbränden in Kalifornien ausfallen, die zum grössten Teil der Rechnung des ersten Quartals 2025 zuzuschreiben sind. Auf Angaben dazu wartet auch die Analystengemeinde gespannt. Auf die gesamte Versicherungsbranche kommen voraussichtlich Belastungen zwischen 30 und 40 Milliarden Dollar zu.
Die Ergebnisse des Konkurrenten und weltgrössten Rückversicherers Munich Re lassen Positives erahnen. Trotz der Naturkatastrophen konnte aufgrund höherer Preise für Rückversicherungsschutz das ursprüngliche Gewinnziel von 5 Milliarden Euro mit 5,7 Milliarden Euro klar übertroffen werden. Die Aktien stiegen als Reaktion auf die Jahresergebnisse um zeitweise mehr als 5 Prozent an.
Gute Aussichten
Swiss Re hatte sich ursprünglich zum Ziel gesetzt, einen Gewinn in Höhe von 3,6 Milliarden Dollar zu erreichen. Dieses Ziel wurde vergangenen November im Rahmen einer Gewinnwarnung wegen hoher Rückstellungen im US-Haftpflichtgeschäft auf 3 Milliarden Dollar reduziert. Konkret wurden die Rückstellungen für diese Einheit der P&C-Rückversicherung nach umfassender Prüfung um 2,4 Milliarden erhöht.
Am Investorentag von Mitte Dezember setzte Swiss Re für 2025 ein höheres Gewinnziel von 4,4 Milliarden Dollar. In der P&C Re-Sparte wird ein Schaden-Kosten-Satz (Combined Ratio) von weniger als 85 Prozent (2024-Ziel: unter 87%) und bei der Sparte Corporate Solutions von unter 91 Prozent (unter 93 Prozent) angepeilt. Zudem soll die Lebens- und Krankenrückversicherung (L&H Re) 1,6 Milliarden zum Gewinn beisteuern.
Das längerfristiges Rentabilitätsziel liegt weiter bei «mehr als 14 Prozent». Dabei setzt der Konzern auch auf Kostendisziplin und Effizienz. Insgesamt wird bis 2027 mit einer Senkung der laufenden Betriebsaufwendungen um rund 300 Millionen Dollar gerechnet. Die Dividende soll derweil in den nächsten drei Jahren um «7 Prozent oder mehr» pro Jahr erhöht werden.
Stark steigende Kurse
An der Börse hat die Swiss-Re-Aktie zu Beginn des Jahres 2025 den davor guten Lauf fortgesetzt und bislang um mehr als 5 Prozent zugelegt. Damit kommen die Kurssteigerungen der vergangenen zwölf Monate auf knapp 35 Prozent. Im Vergleich notiert der SMI in der gleichen Zeitperiode um gut 14 Prozent im Plus.
Interessant ist aber auch: Am Tag der Gewinnwarnung von Anfang November haben die Swiss-Re-Aktien überraschend stark an Wert gewonnen. Der Schritt sei von Marktteilnehmern erwartet und für die Zukunft der Gruppe positiv gewertet worden, hiess es. Damals schon ein Stärkezeichen.
Der erfreuliche Geschäftsverlauf kommt bei Unternehmensanalysten gut an. Laut AWP raten zehn Experten die Swiss-Re-Aktien zum Kauf, während zwölf Analysten mit einer Halten-Empfehlung etwas vorsichtiger sind. Keiner spricht sich für eine Verkaufsempfehlung aus. Seit Dezember vergangenen Jahres wurden überdies sämtliche Kursziele nach oben angepasst und die Ratings bis auf drei Ausnahmen achtmal erhöht.
(cash/AWP)