Als sich die Zwillinge Thomas und Andreas Strüngmann im Jahr 2008 bei einem einer breiten Öffentlichkeit wenig bekannten Biotech-Startup engagierten, konnte wohl niemand ahnen, dass dieses Startup über ein Jahrzehnt später wegen einer Pandemie in aller Munde sein würde. Die Wette auf das Startup namens BioNTech hat sich für die Brüder ausgezahlt. Jetzt haben sie einen Teil davon versilbert, da die Nachfrage nach BioNTechs bekanntestem Produkt, der Impfung gegen Covid 19, zunehmend nachlässt.

Das Investmentvehikel der Strüngmanns hat im laufenden Jahr bereits BioNTech-Aktien im Wert von rund 110 Millionen Dollar (103 Millionen Euro) verkauft und im letzten Monat die geplante Veräusserung von Aktien im Wert von fast dem Doppelten davon angemeldet — eine der grössten Verkaufsaktionen der Milliardäre für die in New York notierte Aktie. Dies geht aus Pflichtmitteilungen bei der New Yorker Börse hervor.

Die Brüder sind mit einem Anteil von rund 43% vor dem geplanten Verkauf die grössten Aktionäre des Mainzer Unternehmens. BioNTech hat in Zusammenarbeit mit Pfizer den ersten Covid-Impfstoff entwickelt, der von der US Food and Drug Administration zugelassen wurde.

Ein Vertreter der 73-jährigen Strüngmanns, die laut Bloomberg Billionaires Index zusammen über ein Nettovermögen von 23,4 Milliarden Dollar verfügen, reagierte nicht auf eine Bitte um Stellungnahme. BioNTech wollte sich nicht zu dem Thema äussern.

Gewinnmitnahmen

Die Verkäufe zeigen, dass die Brüder in zunehmendem Masse die Gewinne einstreichen, die sie durch ihre frühe Wette auf BioNTech erzielt haben. Der Aktienkurs des Unternehmens war während der Pandemie zu Rekordhöhen aufgestiegen.

Seitdem hat die Nachfrage nach Covid-Impfstoffen jedoch stark nachgelassen. BioNTech senkte seine Prognose für den diesjährigen Impfstoffumsatz am Montag erneut um 20%. Dennoch werden die Brüder, die BioNTech bei der Gründung 2008 mit 150 Millionen Euro als Startkapital ausgestattet haben, hohe Gewinne einfahren. Die Aktien sind seit dem US-Börsengang im Jahr 2019 um mehr als 550% gestiegen und legten trotz der Covid-Prognose-Kürzung am Montag um bis zu 9,1% zu, da im letzten Quartal überraschend wieder die Gewinnzone erreicht wurde.

Während die Strüngmanns bei BioNTech — ihrer grössten börsennotierten Investition — teilweise aussteigen, bringen sie gerade die Übernahme der Schülke & Mayr GmbH über die Bühne. Der Norderstedter Hersteller von Handdesinfektionsmitteln wird dabei mit rund 1,5 Milliarden Dollar bewertet. Ausserdem haben sie Mittel für mindestens drei Unternehmen in der Frühphase bereitgestellt, darunter das dänische Biotechnologieunternehmen Bactolife und das deutsche Seidenproteinunternehmen AMSilk. Ihre Immobilienbestände haben sie kürzlich aufgestockt.

Die Verkäufe deuten darauf hin, dass die Milliardäre auch weiterhin in grossem Umfang auf die Sektoren Pharmazeutik, Biowissenschaften und Immobilien setzen werden, die die Grundlage ihrer Vermögensverwaltungsstrategie bilden.

Die Strüngmanns gründeten ihr Family Office namens Athos nach dem Verkauf ihres Arzneimittelherstellers Hexal und eines Anteils an der Eon Labs an Novartis für 5,7 Milliarden Euro im Jahr 2005.

(Bloomberg)