Die US-Anlegerzeitung «Barrons» hat neun Gesundheitstitel ausfindig gemacht, punkto defensiver Qualitäten. Denn die Lage an den Aktienmärkten hat sich verändert. Die sieben grossen US-Technologieaktien liegen derzeit 24 Prozent unter ihren jeweiligen 52-Wochen-Höchstständen. In den Fokus rücken nun wieder Dividendenaktien, insbesondere solche aus dem Gesundheitswesen.
Positive Marktaussichten
Während der börsengehandelte Fonds «SPDR S&P Dividend» eine Rendite von 2,5 Prozent erzielt hat, konnte der «Health Care Select Sector SPDR ETF» gar 6,2 Prozent zulegen. «Dividendentitel sind traditionell defensiv, und das Gesundheitswesen ist mit weniger handels- und wirtschaftsbedingtem Gegenwind konfrontiert als die meisten anderen Sektoren», schreibt Barrons zur Outperformance des ETF. Die Gesundheitsaktien des S&P 500 mit den höchsten Steigerungen hätten im bisherigen Jahresverlauf eine Rendite von fast 10 Prozent erzielt, während diejenigen, die relativ magere Dividenden zahlen, den Anlegern im Durchschnitt etwa 3 Prozent Verlust eingebrockt haben. Es handelt sich also um «zwei grosse Geschmacksrichtungen, die gut zusammenpassen».
Es gebe aber auch ein fundamentales Argument für Gesundheitstitel. Die Hersteller medizinischer Geräte verzeichnen ein verbessertes Wachstum, «das durch den demografischen Rückenwind gestützt wird, da die Baby-Boomer im Silber-Tsunami altern», schreibt Jefferies-Analyst Matthew Taylor.
In anderen Worten: Die Hersteller profitieren also vom Trend, dass es immer mehr ältere Menschen gibt, die medizinische Versorgung benötigen. Laut Mizuho-Analystin Ann Hynes sehen auch die Preis- und Auslastungstrends bei Krankenhäusern stabil aus. Zudem dürften auch Pharmaunternehmen gut abschneiden: Die Unternehmen des S&P 500 verzeichneten im vierten Quartal ein Umsatzwachstum von fast 10 Prozent und damit deutlich mehr als vor einem Jahr. Die Angst vor unterdurchschnittlichen Renditen bei einem potenziellen Aufschwung ist also eher unberechtigt.
Hohes Gewinnpotenzial - hohes Risiko
Laut Barrons gehören CVS Health, Merck, AbbVie und Gilead Sciences zu den Top-Picks für Investoren. 70 Prozent der Analysten empfehlen diese Aktien zum Kauf, was über dem Durchschnitt von 55 Prozent aller Unternehmen im S&P 500 liegt. Zudem sind die Aktien günstig bewertet: Sie werden mit dem 13-fachen der für 2025 geschätzten Gewinne gehandelt, was unter dem 21-fachen der geschätzten Gewinne des S&P 500 liegt.
Die durchschnittliche Dividendenrendite der Aktien beträgt 3,3 Prozent, also deutlich mehr als die 2,3 Prozent der weiteren Gesundheitstitel im Russell 1000 Index. An der Wall Street wird für das laufende Jahr ein Gewinnwachstum von 20 Prozent erwartet. Hinzu kommt, dass die Bilanzen dieser Unternehmen einen angemessenen Verschuldungsgrad aufweisen und die Dividendenausschüttungen der letzten 12 Monate sichere 60 Prozent der erzielten Erträge betrugen.
Sicher mit niedriger Rendite
Für Anleger, die mit tieferen Renditen zufrieden sind, empfiehlt Barrons die Versicherungsgesellschaft UnitedHealth Group sowie die Medizintechnikunternehmen Abbott Laboratories und Stryker, den Technologieanbieter Becton Dickinson und den Vertriebshändler Cardinal Health. Diese Unternehmen bieten eine durchschnittliche Dividendenrendite von 1,6 Prozent und haben in den letzten 12 Monaten weniger als 50 Prozent ihrer Erträge als Dividenden ausgeschüttet.
Ihre Bilanzen sind stabil, und dank des positiven Branchenumfelds wird ein durchschnittliches Gewinnwachstum von 9 Prozent erwartet. Über 80 Prozent der Analysten empfehlen die Titel zum Kauf. Sie werden mit dem 20-fachen der für 2025 geschätzten Gewinne gehandelt, was sie im Vergleich zum breiten Markt etwas günstiger macht. Unabhängig davon, wie sich die Anleger entscheiden, könnten dividendenstarke Aktien aus dem Gesundheitswesen ein gutes Rezept gegen die Marktvolatilität sein.
Beide «Gruppen» haben also durchaus ihre Vorteile. Während in der ersten Gruppe höhere Renditen und mehr Gewinnpotenzial lauert, überzeugen die Titel der zweiten Gruppe mit ihrer langfristigen Stabilität und einem geringeren Risiko. Ausserdem erlauben ihnen die leicht geringeren Dividendenbeiträge von 50 Prozent mehr überschüssiges Kapital, das wiederum für weiteres Wachstum investiert werden kann.
Für Anleger, denen Einzeltitel im aktuellen Umfeld trotz solider Bewertungskennzahlen ein zu hohes Risiko bieten, gibt es die Möglichkeit der börsengehandelten Fonds. Als Beispiele nennt Barrons den «Health Care Select Sector SPDR», mit einer Rendite von etwa 1,7 Prozent, oder den «iShares U.S. Healthcare» (1,3 Prozent Rendite), so wie den «Vanguard Health Care» (1,4 Prozent Rendite).