Vor den Zoll-Bekanntmachungen des US-Präsidenten Donald Trump hätten sich die Anleger zurückgehalten, hiess es im Handel. Denn am sogenannten «Liberation Day» dürfte Trump neue Zölle verkünden - seine Rede startet aber erst um 22 Uhr europäischer Zeit. Die wichtige Frage sei, welchen Ansatz Trump wählen werde, hiess es weiter.
Eine moderate Ankündigung könnte für Erleichterung sorgen, während eine aggressive Umsetzung die Marktunsicherheit verstärken würde. Die Zahl der Zollszenarien, möglichen Gegenmassnahmen und deren Wechselwirkungen seien umfangreich. Die Gefahr eines weiteren Sturms der Unsicherheit sei also hochr. «Niemand möchte einsteigen, solange die Gefahr besteht, ins fallende Messer zu greifen», sagte ein Marktstratege.
Der Leitindex SMI verlor zur Wochenmitte 0,77 Prozent auf 12'588,31 Punkte. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, fiel um 0,72 Prozent auf 2029,08 und der breite SPI um 0,73 Prozent auf 16'790,28 Zähler. Die dominierende Farbe im Kurstableau war rot: 25 der 30 SLI schlossen tiefer.
Vor allem Pharma- und Gesundheitswerte standen am Berichtstag unter Abgabedruck. Die Papiere Pharmaschwergewichte Roche (GS -1,9 Prozent) und Novartis (-1,6 Prozent) gaben deutlich nach, gleiches galt für den Auftragsfertiger Lonza (-1,8 Prozent). Bislang war die Pharmaindustrie von Handelszöllen ausgenommen, aber Trump bestätigte letzte Woche, dass er bald Zölle auch auf den Sektor erheben werde.
Laut Medienberichten setzen sich nun Arzneimittelhersteller beim Präsidenten für eine schrittweise Einführung von Zöllen auf Importe in die USA ein. Auf diese Weise könnten die unmittelbaren finanziellen Auswirkungen auf den Sektor abgemildert werden.
Beim Generikahersteller Sandoz (-0,6 Prozent) und dem Dentalimplantatehersteller Straumann (-1,0 Prozent) kamen noch Zahlenängste dazu. Gerade bei Straumann hätten zuletzt gleich drei Banken ihre Schätzungen für das erste Quartal 2025 gestutzt. Auch andere der Medizinaltechniker gingen auf Tauchgang: Für Sonova ging es um 1,7 Prozent und für Alcon um 0,7 Prozent nach unten.
Aus den Depots gekippt wurde auch der Finanzdienstleister Partners Group (-1,4 Prozent). Hier haben mit Goldman Sachs und Citigroup zwei namenhafte US-Analysehäuser ihre Kursziele in unterschiedliche Richtungen angepasst. Allerdings empfehlen beide die Papiere weiter zum Kauf.
Die Verluste bei den drei Zyklikern Kühne+Nagel (-0,2 Prozent), Schindler (-0,1 Prozent) und ABB (-0,3 Prozent) fielen vergleichsweise moderat aus, nachdem die drei Blue Chips am Morgen mit eigenen Nachrichten aufgewartet hatten. Geberit schlossen gar 0,4 Prozent fester.
Swiss Life führte mit einem Kursplus von 0,5 Prozent die kleine Gruppe der Gewinner an. Dazu zählten auch die ebenfalls defensiven Swisscom (+0,2 Prozent) und Givaudan (+0,1 Prozent) sowie aus dem Technologiesektor Logitech (+0,1 Prozent). Nestlé als drittes defensives Schwergewicht büssten hingegen 0,4 Prozent ein.
SGS (-4,3 Prozent oder -3,88 Fr.) waren nur optisch das Schlusslicht unter den SLI-Werten. Die Papiere des Warenprüfkonzerns wurden ex Dividende (-3,20 Fr.) gehandelt.
In den hinteren Reihen stemmten sich Dätwyler (+5,0 Prozent) klar gegen den Trend. Der Industriekonzern hat die Produktion von Komponenten für GLP-1-Abnehmspritzen aufgenommen. Der Produktionsstart erfolge früher als von Analysten erwartet, erklärten Händler den Kurssprung.
Derweil stellt sich die Lebensmittelgruppe Orior (-4,3 Prozent) nach einem happigen Verlust 2024 neu auf. Deutlicher verloren die Aktien des Autozulieferers Adval Tech mit -6,7 Prozent. Sie dürften besonders stark unter der Zoll-Unsicherheit leiden, sagte ein Börsianer.
(AWP)