Nachdem die anderen Unternehmen der «Magnificent Seven» mit Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft und Tesla jüngst ihre Zahlen bekannt gegeben hatten, folgen heute nach Börsenschluss die Quartalszahlen von Nvidia. Die Zahlen dürften dabei nicht nur die Anleger in den eigenen Reihen interessieren, sondern das gesamte Marktgeschehen beeinflussen. Händler vergleichen die Ergebnispublikationen von Nvidia in puncto Brisanz mit Sitzungen der US-Notenbank. 

Experten gehen zwar von gut ausfallenden Zahlen aus - allerdings ist entscheidend, wie gut sie sind. Besondere Aufmerksamkeit wird auf die Umsatzentwicklung gelegt, die als bedeutender Indikator für das aktuelle Geschäftsjahr gilt. Eine Überschreitung der 35-Milliarden-Dollar-Grenze würde von den Marktteilnehmern als positive Überraschung bewertet. 

Für das abgelaufene Quartal hatte Nvidia einen Umsatz von 36,75 bis 38,25 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt. Analysten erwarten einen Umsatz von 38,15 Milliarden US-Dollar und einen Gewinn von 0,85 US-Dollar pro Aktie.

Zahlen mit Brancheneinfluss

Dennoch sind die Erwartungen an den Konzern mittlerweile enorm hoch, und das Ergebnis dient nicht nur der Beurteilung der Unternehmenslage, sondern eher einer Markteinschätzung. Im Fokus stehen laut Marktstimmen hauptsächlich zwei Fragen: Wie gut verkauft sich die neue Chipgeneration Blackwell und wie optimistisch blickt Nvidia auf das laufende Geschäftsjahr? Je nach Ausgang des Ausblicks und einzelner Position im Zahlenkranz dürften bereits kleinere Abweichungen zu einer Abstrafung an der Börse führen.

Die Gefahr eines solchen Ausgangs ist gross, denn laut Experten dürften die Quartalszahlen die hohen Erwartungen enttäuschen. Nvidia habe in den vergangenen Quartalen massiv von der hohen Nachfrage nach seinen KI-Grafikprozessoren (GPUs) profitiert. Dabei war einerseits die technologische Führung, so wie die massive Angebotsknappheit, elementare Vorteile für den US-Konzern, die es Nvidia erlaubten, hohe Preise durchzusetzen und Margen von bis zu 78,4 Prozent zu erzielen. 

Allerdings hat sich die Bruttomarge in den letzten beiden Quartalen im Vergleich zum ersten Quartal um 3,8 Prozent verringert. Diese Entwicklung könnte auf eine Veränderung im Marktumfeld hinweisen, insbesondere da Tech-Giganten wie Microsoft, Alphabet und Amazon mittlerweile eigene KI-Chips entwickeln, die zwar leistungstechnisch hinter Nvidia zurückbleiben, aber günstiger und sofort verfügbar sind, wie «The Motley Fool» kommentiert.

Nvidia steht zudem vor einer geopolitischen Herausforderung. Exportbeschränkungen durch mögliche Zölle auf Computerchips dürften den chinesischen Absatzmarkt belasten. Handelshemmnisse könnten dazu führen, dass China auf heimische Alternativen setzt, so «The Motley Fool». Damit wären Milliardenumsätze in Gefahr.

Aktie mit Kursverlusten

Die Vorsicht am Markt vor den Geschäftszahlen und den Prognosen manifestierte sich in den Kursverlusten von Nvidia der vergangenen Tage. Seit Freitag haben die Aktien fast 10 Prozent eingebüsst. Am gestrigen Dienstag betrug das Minus 2,8 Prozent. Auch andere Tech-Schwergewichte im Dow Jones Industrial Average wie IBM und Microsoft gaben nach. Dennoch hat sich der Kurs seit Jahresbeginn quasi verdreifacht. 

Die UBS bleibt optimistisch und belässt die Einstufung auf «Buy» mit einem Kursziel von 185 Dollar und empfiehlt, weiterhin «bullish» zu bleiben. Der zuständige Analyst erwartet starke Zahlen und einen soliden Ausblick für das erste Geschäftsquartal, der den gestiegenen Anlegererwartungen gerecht werden dürfte.

Sollten die Quartalszahlen die Kurse des Halbleiter- und Zulieferermarktes erneut durchschütteln, ist das vermutlich der Preis, den Anleger für überdurchschnittliche Renditen aus Innovationen zahlen. Technologieaktien wie Nvidia dürften hohen Kursschwankungen unterworfen bleiben.

(cash/AWP)