Die von US-Präsident Donald Trump verkündeten neuen Zölle gegen die EU, Japan, Südkorea und viele weitere Handelspartner der USA werden laut führenden EZB-Währungshütern das Wachstum dämpfen. Aus Sicht von EZB-Vizechef Luis de Guindos muss die Europäische Zentralbank in diesem von erhöhter Unsicherheit geprägten Umfeld extrem umsichtig agieren. Am Finanzmarkt haben nach der Zollankündigung die Spekulationen auf eine erneute Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) deutlich zugenommen: Inzwischen wird die Wahrscheinlichkeit eines solchen Schritts auf der kommenden Zinssitzung am 17. April mit fast 90 Prozent taxiert. Vor der Zoll-Ankündigung waren es noch rund 80 Prozent.

Eine Eskalation der Spannungen im Handel könne zu einer Abwertung des Euro führen und die Importkosten steigen lassen, sagte de Guindos m Donnerstag in Amsterdam. «Zugleich könnten eine geringere Nachfrage nach Exporten aus dem Euroraum, und ein geringeres Wachstum infolge höherer Zölle oder geopolitischer Spannungen die Wirtschaft bedrohen, die Nachfrage dämpfen und die Inflation nach unten drücken.» Die EZB müsse in diesem Umfeld extremer Unsicherheit um so mehr daran festhalten, datenabhängig vorzugehen und von Sitzung zu Sitzung zu entscheiden.

Aus Sicht von Bundesbank-Präsident Joachim Nagel bringen die Zoll-Entscheidungen von Trump die Weltwirtschaft auf den falschen Kurs. «Die Entscheidungen der US-Administration zur Erhebung von Zöllen gefährden die globale ökonomische Stabilität», sagte er. Das globale Wirtschaftswachstum werde zurückgehen, die Preise steigen. «Das wird auch Erreichtes in der Geldpolitik auf den Prüfstand stellen.» In der EZB müsse die Lage nun neu eingeordnet werden.

Zölle bereits in Prognosen aufgenommen

Laut dem slowakischen Notenbankchef Peter Kazimir sind die Zölle bereits zum Grossteil in den Prognosen der EZB enthalten. Sie zählten zu den schlimmsten Entwicklungen auf die sich die Notenbank einstellen müsse, teilte er per Email mit. «Wir müssen die Antwort der Europäischen Union abwarten. Nichtsdestotrotz ist das nicht gut für die Wirtschaft.» Griechenlands Notenbankchef Yannis Stournaras zufolge werden die Zölle das Wirtschaftswachstum im Euroraum bremsen, wie er Bloomberg sagte. Es sei aber zu erwarten, dass der Rückgang der Inflation anhalte. Aus seiner Sicht sprechen die jüngsten Entwicklungen nicht gegen eine weitere Zinssenkung im April.

Schon auf dem EZB-Zinstreffen Anfang März hatten die EZB-Währungshüter mögliche Folgen von US-Zöllen im Blick. Wahrscheinliche Schocks am Horizont, einschliesslich der eskalierenden Handelsspannungen, und die allgemeine Unsicherheit könnten das Wachstum erheblich belasten, hiess es in dem am Donnerstag veröffentlichten Dokument. 

(Reuters)