38mal erzielte der Goldpreis im abgelaufenen Jahr einen Rekord. Rund 27 Prozent Steigerung gegenüber dem Jahresbeginn standen Ende 2024 zu Buche. Auch in diesem Jahr ist der Goldpreis weiter gestiegen, mittlerweile sind es 20 Prozent seit Anfang Januar - wobei die Marke von 3000 Dollar pro Feinunze Mitte März zum ersten Mal überschritten wurde. 

Im letzten Jahr wurden insgesamt fast 5000 Tonnen Gold gekauft. Neben der Unsicherheit infolge von Kriegen und Konflikten ist einer der Kurstreiber auch die US-Zollpolitik. Die Wirtschaftspolitik unter Donald Trump veranlasste denn auch einen bestimmten Akteur zum Handeln: Laut Angaben des World Gold Council war die Nachfrage der Notenbanken 2024 einer der wichtigsten Gründe, weshalb der Goldpreis Rekordhöhen erreichte.

«Die Notenbanken investieren derzeit massiv in Gold», es sei eine «fundamentale Nachfrage» der Währungshüter nach dem Edelmetall, sagte Axel Weber, UBS-Verwaltungsratspräsident von 2012 bis 2022 und zuvor Präsident der Bundesbank, in seinem Vortrag am Institutional Money Kongress in Frankfurt am Mittwoch.

Weber nannte in diesem Zusammenhang vor allem die Zentralbank Chinas als Käuferin. Sie verkaufe vor allem US-Staatsanleihen und kaufe dafür Gold. Dies aus Gründen der Diversifizierung der Anlagen mit dem Ziel, weiter weg von der US-Währung Dollar zu gelangen.

Hintergrund sind die angespannten Handelsbeziehungen zwischen den USA und China. Tatsächlich baut China, traditionell einer der grössten ausländischen Inhaber von US-Staatspapieren, seit 2018 den Bestand an US-Anleihen kontinuierlich ab. Der Wert der US-«Treasuries» hat sich bei der Notenbank Chinas seither um rund einen Viertel verringert. Vor allem im Mai 2024 soll Chinas Zentralbank Rekordmengen nicht nur an US-Staatsanleihen verkauft haben, sondern auch US-Aktien. 

Weiterer Auftrieb für das Edelmetall Gold

Mit Blick auf die rigide Wirtschaftspolitik unter dem US-Präsidenten Donald Trump sieht Weber, der seine Äusserungen noch vor der Ankündigung der neuen US-Zölle machte, den Goldpreis keineswegs auf dem Rückzug.

«Sollten noch andere Länder als China zum Ziel eines Handelskonfliktes mit den USA werden, zum Beispiel europäische Staaten oder Kanada und Mexiko, dann ist es nicht auszuschliessen, dass diese Länder sich ebenfalls vom Dollar als liquide Währung trennen und andere Devisen und Gold zukaufen». In diesem Fall gebe es für Gold auch in den nächsten Jahren eine gute Unterstützung, und dies dürfte dem Edelmetall weiteren Auftrieb geben. 

Gold habe sich mittlerweile auch vom Realzins entkoppelt, so Weber weiter. Unter den Realanlagen sei Gold besonders gefragt. «Und anders als viele Commodities ist Gold auch relativ einfach zu handeln und transportieren», sagte Weber.

Laut Experten dürfte die Nachfrage nach Gold weiter auch von chinesischen Versicherungen kommen, welche unlängst die Erlaubnis erhalten haben, in das Edelmetall zu investieren.

China steht auf der Rangliste der Länder mit den grössten Goldreserven auf Platz fünf mit 2280 Tonnen Gold, Platz sechs nimmt die Schweiz mit 1040 Tonnen Gold ein. Die mit Abstand grössten Goldreserven haben die USA mit rund 8100 Tonnen Bestand des Edelmetalls. Deutschland folgt auf Platz zwei mit 3350 Tonnen Gold, vor Italien mit 2450 Tonnen.

Daniel Hügli
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