Die Umsätze des Autobauers Tesla sind im vergangenen Monat in ganz Europa um 45 Prozent eingebrochen. Die Konkurrenz verzeichnete hingegen einen Anstieg der Nachfrage nach Elektrofahrzeugen.

Lediglich 9'945 Autos des von Tech-Milliardär Elon Musk geführten Unternehmens wurden im Januar europaweit zugelassen, verglichen mit 18'161 vor einem Jahr, so der Verband der europäischen Automobilhersteller. Die Verkäufe von Elektrofahrzeugen stiegen branchenweit um 37 Prozent, wobei die Autohersteller in Deutschland und Grossbritannien grosse Zuwächse verbuchten.

Tesla stellt die Produktionslinien für sein mit Abstand beliebtestes Fahrzeug - das SUV Model Y - um und muss sich damit auseinandersetzen, dass sein CEO in der Weltpolitik zunehmend polarisiert. Nachdem er im US-Wahlkampf des letzten Jahres als einer der grössten Spender für den Republikaner und inzwischen gewählten Präsidenten Donald Trump hervorgetreten war, richtet Musk seinen Blick nun auf Europa: Er unterstützt als in Teilen rechtsextrem eingestufte Parteien und greift Amtsinhaber an.

Musk hat nicht nur die Staatschefs in Deutschland und Grossbritannien attackiert, sondern sich auch Trump angeschlossen, indem er den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj verunglimpft und Umfragen infrage stellt, denen zufolge Selenskyj weiterhin die Unterstützung der Bevölkerung des Landes geniesst. Als Reaktion auf Trumps Kritik sagte Selenskyj letzte Woche, der US-Präsident sei Opfer russischer «Desinformation» geworden.

Verkäufe in Deutschland und Frankreich auf Mehrjahrestiefständen

Tesla hat im vergangenen Monat in Deutschland nur 1'277 Neuwagen zugelassen, die niedrigste Monatszahl seit Juli 2021. In Frankreich brachen die Verkäufe um 63 Prozent ein, das schlechteste Ergebnis seit August 2022. In Grossbritannien hat das Unternehmen zudem erstmals weniger Fahrzeuge zugelassen als das chinesische Unternehmen BYD. Die Verkäufe von Tesla brachen um fast 8 Prozent ein, obwohl der Markt für Elektrofahrzeuge im vergangenen Monat um 42 Prozent gewachsen war.

YouGov führte Mitte Januar in Deutschland und Grossbritannien Umfragen durch, die ergaben, dass Musk ungünstig gesehen wird und seine Einmischung in die Politik anderer Länder unerwünscht ist. Der Tesla-CEO moderierte am 9. Januar auf seiner Social-Media-Seite X eine Live-Diskussion mit der Vorsitzenden der Alternative für Deutschland (AfD), Alice Weidel, um der einwanderungsfeindlichen, prorussischen Partei, die bei der Wahl dieser Woche den zweiten Platz belegte, Auftrieb zu geben.

Bei einem virtuellen Auftritt bei einer Kundgebung der AfD im Januar forderte Musk die Deutschen auf, stolz auf ihre Kultur zu sein, und warnte davor, «zu viel auf vergangene Schuld zu fokussieren». Die Kommentare trafen kurz vor dem 80. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz einen Nerv. Zudem forderte Musk im vergangenen Monat die Inhaftierung des britischen Premierministers Keir Starmer und setzte sich für die Freilassung inhaftierter rechtsextremer Aktivisten ein.

Umstellung in der Produktion als Grund für den Verkaufsrückgang

Tesla hatte wahrscheinlich in einigen Märkten mit Lagerengpässen zu kämpfen, da das Unternehmen Ende letzten Jahres alles daran setzte, die Verkäufe anzukurbeln. Auch die Umstellung der Montagelinien für das Model Y könnte sich auf die Zulassungen im Januar ausgewirkt haben. Finanzvorstand Vaibhav Taneja warnte während der Telefonkonferenz zu den Quartalsergebnissen im letzten Monat, dass die Umstellung auf ein neues Design für das erstmals 2020 eingeführte Modell den Hersteller mehrere Wochen Produktionsausfall kosten würde. Das Unternehmen baut das Model Y in vier Werken weltweit, darunter in seinem Werk ausserhalb Berlins.

Die Konkurrenz - in Europa angeführt von Volkswagen, Stellantis und Renault - steht zudem unter grösserem regulatorischen Druck, im Jahr 2025 mehr Elektrofahrzeuge zu verkaufen. In der Europäischen Union müssen die Hersteller in diesem Jahr strengere CO2-Emissionsziele einhalten, während in Grossbritannien bis 2035 ein stetig steigender Anteil ihrer Verkäufe emissionsfrei sein muss.

(Bloomberg)