Nach der Pensionierung kommt ein Grossteil des Einkommens aus den Vorsorgewerken, nicht mehr ausschliesslich vom Arbeitgeber. Typischerweise ist es tiefer als vor dem Eintritt in den Ruhestand.

Auf der Ausgabenseite geht manches zurück, zum Beispiel die Auslagen für das Pendeln zur Arbeit oder für Kleider, die dem Dresscode einer bestimmten Branche entsprechen. Handkehrum bleibt mehr Raum für bisher aus zeitlichen Gründen vernachlässigte Hobbys, für Reisen und anderes, das nun mehr kostet als früher.

Und bei den Steuern? Das tiefere Einkommen senkt die Steuerlast zwar, doch es fallen auch Abzüge weg, etwa jene für die Einzahlungen in die dritte Säule. Deshalb ist es möglich, dass die Steuerersparnis geringer ist, als man auf den ersten Blick vermuten möchte.

Kurz: Die Pensionierung ist eine Wegmarke im Leben, und sie hat Einfluss auf verschiedene Grössen der persönlichen Finanzen. Deswegen ist es sinnvoll, genauer hinzuschauen und sich eine vertiefte Übersicht über Einkünfte und Ausgaben im Pensionsalter zu verschaffen.

Im Schnitt kommt fast die Hälfte des Einkommens aus der AHV

Bei den Einkünften schenken primär die Renten aus der ersten und der zweiten Säule ein. Hinzu kommen weitere Quellen, etwa das Kapital aus der dritten Säule, Erbschaften, Vermögenserträge wie Dividenden, Transferzahlungen und - falls man als Rentner erwerbstätig ist - ein Erwerbseinkommen.

Laut der UBS tragen die verschiedenen Quellen wie der in der folgenden Tabelle dargestellt zum Einkommen eines alleinstehenden Rentners bei.

Quelle Anteil in %
AHV-Rente 46
BVG-Rente 31
Vermögenserträge 13
Geldtransfers 6
Erwerbseinkommen 4

Durchschnittlicher Anteil der Einkommensquellen für einen alleinstehenden Rentner. Quelle: UBS.

Es handelt sich um Durchschnittswerte, weshalb es Abweichungen gibt. Beispielsweise trifft es zu, dass alleinstehende Rentner durchschnittlich 50 Prozent mehr Einkommen aus der AHV-Rente als aus der beruflichen Vorsorge erhalten. «Rentner mit niedrigem Einkommen verlassen sich jedoch hauptsächlich auf die AHV-Rente als Einkommensquelle, während Rentner mit hohem Einkommen stärker auf Leistungen aus der beruflichen Vorsorge angewiesen sind», schreiben die UBS-Ökonomen James Mazeau und Elisabeth Beusch in einer kürzlich veröffentlichten Studie.

Zudem, so Beusch und Mazeau, mache das Vermögenseinkommen fast ein Viertel der Einkünfte von Rentnern mit hohem Einkommen aus. Und auch der Entscheid, ob jemand sein Pensionskassenvermögen als Kapital, als Rente oder in einer Mischform bezieht, beeinflusst, wie gross der Anteil der verschiedenen Quellen am Gesamteinkommen ist.

Prozentuale Steuerbelastung kann nach der Pensionierung steigen

Auch auf der Ausgabenseite kommt es beim Eintritt in den Ruhestand zu Verschiebungen. Ausgaben für die Gesundheitsversorgung werden mit dem Alter steigen; aus zwei Gründen geben Pensionierte aber weniger für das Wohnen aus, wie die UBS-Experten gestützt auf offizielle statistische Informationen schreiben. Einerseits seien Rentner eher Hausbesitzer als erwerbstätige Personen. «Andererseits haben mietende Rentner tendenziell günstigere Mieten als Erwerbsfähige, da sie oft ältere und somit günstigere Mietverträge haben.»

Derweil kann der Umzug in eine altersgerechte Wohnung die Wohnkosten sogar erhöhen. Und Hausbesitzer können sich vor die Frage nach der Tragbarkeit gestellt sehen. Erfüllen sie die Kriterien nicht, werden sie Geld für die Amortisierung ihrer Hypothek aufwenden müssen.

Eine Verlagerung, aber nicht unbedingt einen Anstieg oder Rückgang, ist bei den Auslagen für Restaurantbesuche, Essen und Getränke beobachtbar: Wohl fallen die Mittagessen bei der Arbeit weg, dafür wird öfter zu Hause gekocht. Ausserdem neigen Rentner «vielleicht überraschenderweise dazu, den gleichen Betrag für Abendessen auswärts auszugeben wie ihre arbeitenden Altersgenossen», so Beusch und Mazeau.

Ein wesentlicher Posten bleiben die Steuern. Das im Vergleich zur Erwerbsphase niedrigere Einkommen nach der Pensionierung führt im Allgemeinen zu einer geringeren Besteuerung. Da Rentner aber nicht die gleichen Abzüge haben wie Arbeitnehmende, gestaltet sich die Rechnung anders. Und letztlich kann die Steuerlast als Anteil des Bruttoeinkommens für Rentner tendenziell grösser sein.

Posten Letztes Arbeitsjahr Erstens Ruhestandsjahr
Bruttoerwerbseinkommen  120'000 -
Dividenden 5000 5000
AHV-Rente - 30'240
BVG-Rente - 42'400
Gesamtes Bruttoeinkommen 125'000 77'640
Sozialversicherungsbeiträge 8160 -
Beiträge an die 2. Säule 12'727 -
Beiträge an die Säule 3a 7258 -
Verschiedene Abzüge
(Bund / Kantone)
7182 / 9482 2700 / 4350
Steuerbares Einkommen
(Bund / Kantone)
89'673 / 87'373 74'940 / 73'290
Gesamte Einkommenssteuer 13'012 9419
Verfügbares Einkommen 83'843 68'221
Einkommenssteuer als Anteil
des Bruttoeinkommens
10,4 Prozent 12,1 Prozent

Vergleich von Brutto- zu Nettoeinkommen vor und nach dem Eintritt in den Ruhestand, jährliche Beträge in Franken. Hinweis: Verwendung des Steuertarifs von 2025 zu Vergleichszwecken. Annahmen: Alleinstehende Person, Stadt Zürich, überobligatorischer Pensionsplan. Berechnungen: UBS.

Nach Berechnungen der UBS ist es möglich, dass eine Person im letzten Arbeitsjahr Einkünfte von 125’000 Franken hat und 13’012 Franken Einkommenssteuern bezahlt. Der Anteil der Einkommensteuer am Bruttoeinkommen beläuft sich auf 10,4 Prozent.

Zum Vergleich betrage das Bruttoeinkommen im ersten Ruhestandsjahr 77’640 Franken. Dann ist die Einkommenssteuer gemäss der Kalkulation 9419 Franken. Die sich ergebende Steuerlast liegt bei 12,1 Prozent.

Langlebigkeit ist nicht zu unterschätzen

Ferner bleiben die Ausgaben im Laufe des Ruhestands nicht einfach konstant. In einer ersten Phase erlauben die Gesundheit und die verfügbare Zeit eine ausgiebigere Freizeitgestaltung. Wünsche, die bis anhin nicht erfüllbar waren, kommen nun zum Zug, seien es Reisen, sei es ein eigener Garten oder anderes. Mit zunehmendem Alter und schrumpfendem Aktionsradius gehen diese Ausgaben zurück - was nicht heissen muss, dass die finanzielle Belastung insgesamt abnimmt.

«Die Gesundheit kann sich schnell verschlechtern und die Art und Höhe der Gesamtausgaben verändern», heisst es in der UBS-Studie. Konkret: Wohl ist man mit steigendem Alter tendenziell weniger oft auf Reisen und generell weniger aktiv. Doch wenn die Gesundheit so stark nachgibt, dass man Pflege braucht, kann das Leben insgesamt teurer werden.

Anspruchsvoll wird insbesondere ein Aufenthalt im Pflegeheim. Er kostet pro Monat bis zu 10'000 Franken, wovon nicht ganz die Hälfte für die Pflege benötigt wird. Den anderen Teil machen Unterkunft, Verpflegung und Hauswirtschaft aus. Diese Nicht-Pflegekosten seien durch die Bewohner zu bezahlen, merken die UBS-Ökonomen an.

Daran zeigt sich, dass ein langes Leben nicht nur Vorzüge haben muss. «Je älter Rentner werden, desto wahrscheinlicher benötigen sie tägliche Pflege.» Die Lebenserwartung mag zwar gestiegen sein, nicht zwingend aber die Zahl der gesunden Lebensjahre, wie Angaben der europäischen Statistikbehörde Eurostat belegen. 2015 hatten Schweizerinnen bei der Geburt 57,8 gesunde Jahre vor sich, 2022 waren es noch 56,7 Jahre. Unterdessen stieg die Anzahl Jahre in Gesundheit von Schweizern ab der Geburt von 61,1 auf 61,4 etwas an.

Lücken frühzeitig erkennen

Bei der Pensionierungsplanung geht es letztlich um die Frage, wie ein Zeitraum von 20 bis 30 Jahren finanziert werden soll. «Wer das Thema nicht oder zu spät angeht, kann unangenehme Überraschungen erleben», schreibt der Dachverband Budgetberatung in einem Online-Leitfaden. Die Planung betrachtet Einnahmen und Ausgaben und ortet Lücken früh- oder zumindest rechtzeitig.

Lücken, die man im Voraus erkennen kann, können beispielsweise durch Teilzeitarbeit oder einen längeren Erwerbsausfall entstehen. So können die Renten aus der ersten und der zweiten Säule tiefer als gedacht ausfallen. Aufschluss dazu geben ein AHV-Kontoauszug, den man bei der Ausgleichskasse anfordern kann, und der Vorsorgeausweis der Pensionskasse.

Tauchen nach einer Prüfung Löcher auf, ist Verzicht im Ruhestand nicht zwingend angesagt. Gerade wenn man genug früh plant, kann man seine finanzielle Situation verbessern. Wege dazu sind vermehrte Rücklagen, etwa in eine Säule-3a-Lösung, und Einkäufe in die Pensionskasse.

Vorsorgeeinrichtungen ermöglichen zudem, die Lohnbeiträge über Wahlpläne zu erhöhen und so die Leistungen nach der Pensionierung zu steigern. Solche Massnahmen sind unter verschiedenen Gesichtspunkten auszuloten, mitunter: Wie gesund ist die Pensionskasse, in die man einzahlt? Wie gross ist die Steuerersparnis? Inwiefern lassen das gegenwärtige Einkommen und die momentane Lebenslage ein grösseres Sparen für die Zukunft im Ruhestand zu?

Reto Zanettin
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