Bayer habe über seine Tochtergesellschaft Monsanto die Überprüfung eines Falls beim Supreme Court beantragt, teilte das Chemie-Unternehmen mit. Widersprüchliche Urteile von Bundesberufungsgerichten zu angeblichen Krebsschäden durch Glyphosat machten eine Überprüfung durch das oberste Gericht der USA erforderlich, argumentiert Bayer.
Im Kern geht es um die Frage, ob Klagen wegen fehlender Krebs-Warnhinweise auf der Verpackung des Spritzmittels, die auf dem Recht einzelner Bundesstaaten beruhen, durch US-Bundesrecht ausgeschlossen sein könnten.
Bayer hatte sich 2018 mit der 63 Milliarden Dollar schweren Übernahme des Glyphosat-Entwicklers Monsanto eine Klagewelle wegen der angeblich krebserregenden Wirkung des Herbizids ins Haus geholt, die das Unternehmen seit Jahren schwer belastet. Inzwischen wurde der Verkauf des Produkts mit dem Handelsnamen «Roundup» an US-Privatkunden gestoppt, die die überwiegende Mehrheit der Kläger stellen. Wesentlich wichtiger ist für Bayer das Geschäft mit der Landwirtschaft, das nun ebenfalls infrage steht.
Ein Ende der Rechtsstreitigkeiten ist nach wie vor nicht in Sicht. 2020 hatte Bayer zwar einen Grossteil der damals anhängigen Roundup-Klagen gegen eine Zahlung von bis zu 9,6 Milliarden Dollar beigelegt, aber keine Einigung zur Verhinderung künftiger Klagen erzielen können. Die Zahl der angemeldeten Glyphosat-Klagen stieg zuletzt um rund 4000 auf etwa 181.000, für 67.000 Fälle stehen noch Einigungen aus. In den vergangenen Jahren hat die Bayer-Aktie massiv an Wert verloren, aktuell ist der Konzern inklusive Monsanto nach LSEG-Daten weniger als 20 Milliarden Euro wert.
Im März hatte Reuters von einer mit der Sache vertrauten Person erfahren, Bayer erwäge einen Ausstieg aus dem Geschäft mit dem Herbizid in den USA. «Bayer könnte irgendwann an den Punkt kommen, an dem das Unternehmen gezwungen ist, den Verkauf des Produkts in den USA einzustellen», sagte der Insider.
(Reuters)