Ökonomen sorgen sich vor allem um die Folgen für die Weltwirtschaft und auch die Inflation. Vor allem aber dürften die Zölle vor allem die US-Konsumenten treffen. Sie zahlten letztlich die Zeche, heisst es bei Raiffeisen. «Denn Zölle sind nichts anderes als eine Steuererhöhung, wahrscheinlich die grösste, die dem amerikanischen Volk jemals zugemutet wurde.» Das dämpfe zuerst den Konsum, bevor es die Profitabilität der Unternehmen belaste und die US-Wirtschaft bremse. Im Handelsverlauf dürfte lediglich der US-Arbeitsmarktbericht am Nachmittag das Zeug haben, Investoren kurzzeitig abzulenken.

Der Leitindex SMI verliert gegen 11.00 Uhr 2,4 Prozent auf 11'91,84 Punkte. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, fällt um 2,4 Prozent auf 1918,24 und der breite SPI um 2,26 Prozent auf 15'992,78 Zähler. Im SLI stehen 27 Verlieren zwei Gewinner gegenüber. Swisscom sind unverändert.

Damit notiert der Leitindex SMI zum ersten Mal seit Januar wieder unter der Marke von 12'000 Punkten. Er ist wieder mehr als 1000 Punkte von seinem Rekordhoch jenseits der 13'000-Punkte-Marke von Anfang März entfernt.

Nach Ansicht von Händlern dürfte am Markt vor allem weiter differenziert werden zwischen den einzelnen Branchen und wie stark sich die US-Zölle auf die Gewinne der jeweiligen Unternehmen auswirken werden. «Der massive Trend zu Aktien mit hauptsächlichem Binnenmarktengagement dürfte sich weiter fortsetzen.»

Dies ist laut Händlern denn auch der Grund dafür, dass sich die Aktien von Swisscom (unv.) erneut gegen den Marktrend stemmen. Bereits am Vortag waren die Papiere mit einem Plus von mehr als 3 Prozent einer der wenigen Gewinner gewesen. Der Telekomkonzern ist lediglich auf die Schweiz und Italien fokussiert.

Dagegen setzten Finanzwerte die Abwärtsbewegung vom Vortag mit ungedrosseltem Tempo fort. Julius Bär verlieren 4,7 Prozent, die UBS 4,0 Prozent und auch Partners Group (-2,0 Prozent) sind im Verliererfeld zu finden.

Neben der Angst vor möglichen Negativfolgen des neuen Strafzoll-Regimes der US-Regierung auf das Tagesgeschäft europäischer Banken drücken auch Ertragsängste bei diesen Valoren auf die Stimmung. Zudem sind die Zinsen seit der Einführung der Strafzölle deutlich gefallen. Rückläufige Zinsen wiederum sprechen für geringere Erträge aus dem Zinsdifferenzgeschäft.

So sacken Bankenwerte auch europaweit erneut überdurchschnittlich stark ab. Der entsprechende Branchenindex war bereits am Donnerstag um annähernd 6 Prozent und gibt auch zum Wochenschluss ähnlich stark nach.

Daneben geben Gesundheitswerte auf breiter Front nach. Sandoz, Novartis, Alcon, Straumann, Lonza Roche und Sonova verlieren bis zu 3,8 Prozent. Hier verweisen Händler auf Berichte, wonach Trump nun doch über Zölle auf Pharmazeutika nachdenkt. Zunächst hatte es so ausgesehen, als ob pharmazeutische Produkte verschont würden, was die Papiere etwa von Lonza oder Novartis am Donnerstag gestützt hatte.

Überdurchschnittlich schwach sind auch erneut die beiden Uhrenaktien von Swatch (-3,5 Prozent) und Richemont (-2,9 Prozent). Für sie stellt der US-Markt mittlerweile den wichtigsten Absatzmarkt dar. Entsprechend schmerzhaft treffen sie die Zölle.

Mit Adecco (-3,2 Prozent) und auch Kühne+Nagel (-1,2 Prozent) setzen solche Werte ihre Abwärtsbewegung fort, die generell als Indikatoren für die Gesundheit der Wirtschaft gelten.

Im Plus notieren mittlerweile nur noch zwei Werte: Givaudan (+2,3 Prozent) sowie Lindt&Sprüngli (+0,3 Prozent).

In den hinteren Reihen brechen Pierer nach neuen und massiven Kapitalmassnahmen um knapp 19 Prozent ein. SHL Telemedicine sacken wegen eines für 2024 erwarteten Verlustes um 14 Prozent ab.

hr/ra

(AWP)