Noch grösser waren die Verluste an der von grossen Technologietiteln geprägten Nasdaq-Börse. Der Nasdaq 100 sackte um 5,4 Prozent auf 18.521,48 Punkte ab und fiel ebenfalls auf den tiefsten Stand seit September 2024. Etliche Chipaktien brachen prozentual zweistellig ein. Im Börsenjahr 2025 steht nunmehr ein Verlust von fast 12 Prozent für den Index zu Buche. Der marktbreite S&P 500 rutschte am Donnerstag um 4,84 Prozent auf 5.396,52 Zähler ab.
US-Präsident Donald Trump sagt mit einem gewaltigen Zollpaket Handelspartnern auf aller Welt den Kampf an. Seine Regierung führt neue pauschale Zölle in Höhe von zehn Prozent auf Importe aus allen Ländern ein. Für viele Staaten sollen je nach Handelsdefizit deutlich höhere Strafabgaben greifen. Auf Einfuhren aus Deutschland und anderen Staaten der Europäischen Union in die USA sind demnach neue Zölle in Höhe von 20 Prozent vorgesehen.
Anleger weltweit befürchten nun, dass die Weltwirtschaft schweren Schaden nehmen könnte - auch die in den USA selbst, da die Preise steigen dürften, weil viele Konsumgüter durch die Zölle teurer werden. «Damit kommt es zu einem schwierigen Spagat für die US-Notenbank», folgerte Thomas Gitzel von der VP Bank. Auf der einen Seite dürften die Inflationsraten durch die Zölle steigen, auf der anderen Seite drohe die US-Wirtschaft selbst unter der Zolllast merklich abzukühlen.
Den Anlagestrategen der schweizerischen Bank UBS zufolge könnte das reale Bruttoinlandsprodukt der USA in diesem Jahr um 1,5 bis 2 Prozentpunkte sinken, während zugleich die Inflation auf fast 5 Prozent steigen könnte, falls die Zölle nicht bald zurückgenommen werden. Es passte ins Bild, dass am Donnerstag eine Umfrage im wichtigen US-Dienstleistungssektor deutlich schwächer ausfiel als erwartet.
Die ohnehin schon grosse Verunsicherung dürfte nun noch zunehmen, da Trumps Politik die Finanzmärkte starken Schwankungen aussetzt. So geriet am Devisenmarkt der US-Dollar gegen alle wichtigen Währungen unter Druck. «Offenbar sehen Anleger vor allem Risiken für die USA», schrieben die Devisenexperten von Dekabank. Anleger flüchteten in als sicher geltende Anlagen wie Staatsanleihen. Zehnjährige US-Papiere erreichten am Donnerstag den höchsten Stand seit Oktober vergangenen Jahres.
Unter den «Glorreichen Sieben», den sieben grössten und bedeutendsten Tech-Unternehmen, gab es nur Verlierer. Am stärksten ging es für Apple mit einem Minus von mehr als 9 Prozent abwärts. Die Aktien litten vor allem darunter, dass China ein wichtiger Produktionsstandort des iPhone- und Mac-Herstellers ist. Auf diese Komponenten dürften nun Zölle fällig werden.
Die Kurse von Chipherstellern brachen ein, die Papiere grosser Produzenten wie Microchip Technology , Micron , Broadcom und NXP Semiconductors verloren prozentual zweistellig. Qualcomm und Analog Devices büssten jeweils mehr als 9 Prozent ein.
Aktien von Intel entzogen sich im späten Handel dem Abwärtssog im Chipsektor und stiegen um 2,1 Prozent. Auslöser der Gewinne war ein Branchenbericht über eine Kooperation von Intel mit dem taiwanesischen Chip-Riesen TSMC .
Auch andere Branchen mit globalen Lieferketten gerieten unter die Räder. Im Leitindex Dow traf es den Baufahrzeughersteller Caterpillar und den Flugzeugbauer Boeing überdurchschnittlich schwer.
Ebenfalls schwer betroffen waren Konsumgüterproduzenten und Bekleidungshersteller wie Nike mit minus 14,4 Prozent und Foot Locker mit minus 15,4 Prozent. Beide Aktien fielen auf mehrjährige Tiefstände./bek/he
--- Von Benjamin Krieger, dpa-AFX ---
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