Der MDax der mittelgrossen Unternehmen sank um 1,25 Prozent auf 27.151 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor 2,3 Prozent.

Auf die Zölle werde die Weltwirtschaft reagieren, sagte der Chefvolkswirt der DekaBank, Ulrich Kater. «Grosse integrierte Wirtschaftsräume, wie etwa die Europäische Union oder die ASEAN-Staaten, geben den Unternehmen Ausweichspielraum.» Laut Kater vollzieht sich nun ein Umbau der Weltwirtschaft, aber kein Abbau. Grosse Wirtschaftsblöcke würden die internen Handels- und Produktionsprozesse intensivieren und untereinander bilaterale Handelsabkommen abschliessen.

Die USA unter Trump belegen ab Samstag Einfuhren aus allen Ländern pauschal mit Zöllen von zehn Prozent. Zudem kündigte die US-Regierung einen komplexen Mechanismus wechselseitiger Zölle an, der für viele Länder höhere Abgaben vorsieht. Für die Europäische Union heisst das, dass Exporte ihrer Mitgliedsländer in die Vereinigten Staaten ab kommender Woche mit einem Zoll von 20 Prozent belegt werden.

Unter Druck gerieten am Donnerstag so ziemlich alle Branchen. Schwer traf es zunächst Papiere von Autobauern und Chemiewerte, die jedoch anschliessend sich wieder etwas berappelten. Pharma-Aktien legten teilweise zu, weil Zölle für diese Branche vorübergehend nicht gelten sollen, wie es am Markt hiess.

Die Aktien von Sportartikelherstellern wie Adidas und Puma brachen dagegen prozentual teils zweistellig ein, weil für sie der südostasiatische Raum ein wichtiger Produktionsstandort ist und Trump Länder aus dieser Region mit besonders hohen Zöllen überzieht.

Siemens übernimmt den Anbieter von Forschungs- und Entwicklungssoftware im Bereich Life Sciences, Dotmatics. Der Kaufpreis liege bei 5,1 Milliarden US-Dollar. Die Übernahme sei sinnvoll, aber nicht billig, hiess es dazu von den Analysten der kanadischen Bank RBC. Die Siemens-Aktien verloren 5 Prozent. Laut Siemens-Finanzchef Ralf Thomas wird die Finanzierung der Übernahme «in erster Linie durch den Verkauf von Anteilen an börsennotierten Unternehmen, einschliesslich Siemens Healthineers , erfolgen». Die Healthineers-Papiere fielen um 4,4 Prozent.

DHL Group reagierten mit Abschlägen von ebenfalls 4,4 Prozent auf das US-Zollpaket. DHL-Chef Tobias Meyer rechnet mit einer zunehmenden Komplexität des Welthandels: «Die Handelsrouten werden sich verändern, und sie werden komplexer werden.» Zu möglichen Auswirkungen auf die Ergebnisse der DHL gab sich der Manager zunächst abwartend./ajx/mis

(AWP)