«Der Optimismus der Anleger in Frankfurt kennt in diesen Tagen scheinbar keine Grenzen. Schlimmer kann es für die deutsche Wirtschaft nicht mehr kommen, mit Schwarz-Rot kann es also nur besser werden, so lautet derzeit das Kaufargument für deutsche Aktien», schrieb Kapitalmarktexperte Jürgen Molnar vom Broker Robomarkets.
Auch auf europäischer Bühne ging es am Mittwoch aufwärts. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stieg um 1,5 Prozent auf 5.528 Punkte. Ausserhalb des Euroraums legte der Schweizer SMI hingegen nur um 0,1 Prozent zu, während es für den britischen FTSE 100 um 0,7 Prozent nach oben ging. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial notierte zum europäischen Börsenschluss 0,2 Prozent höher.
Die europäischen Börsen - allen voran der Dax - spielten aktuell in einer eigenen Liga und lösten sich zunehmend von der Wall Street, kommentierten die Investmentstrategen von Index Radar. «Sollte die Euphorie um die amerikanischen KI-Giganten weiter nachlassen, könnte sich der Kapitalstrom aus den USA in Richtung Europa fortsetzen», ergänzten die Experten mit Blick auf die am Abend nach US-Börsenschluss anstehenden Geschäftszahlen des KI-Chipkonzerns Nvidia .
Im Dax zogen die Anteile von Fresenius um 6,5 Prozent an. Der Medizinkonzern zahlt nach einem Gewinnsprung im vergangenen Jahr wieder eine Dividende. Auch der Ausblick kam gut an. Über den Erwartungen lag auch der Ausblick des Versorgers Eon , woraufhin die Papiere um 3,0 Prozent nach oben zogen.
Bei Siemens Energy suchten nach dem jüngsten Kursrückschlag Käufer wieder ihre Chance. Die Aktien des Energietechnikkonzerns lagen mit plus 8,5 Prozent an der Dax-Spitze. Von ihrem Rekordhoch der Vorwoche bei 64,56 Euro waren die Papiere bis zum Wochenbeginn um fast 22 Prozent zurückgekommen. Hauptgrund war ein Bericht, wonach Microsoft seine Investitionen in KI-Datenzentren drosseln könnte.
Der Rückversicherer Munich Re steigerte seinen Gewinn trotz zweier zerstörerischer Hurrikane im vergangenen Jahr deutlich. Für gute Laune sorgten aber vor allem eine hohe Dividende und Aktienrückkäufe. Die Titel stiegen auf ein Rekordhoch und gewannen letztlich 4,8 Prozent.
Gewinnmitnahmen nach starkem Lauf gab es hingegen bei den Aktien der Deutschen Telekom . Die Zahlen der Bonner für 2024 nannte ein Händler durchwachsen und den Ausblick auf 2025 unter den Erwartungen. Am Dax-Ende verlor die T-Aktie am Dax-Ende 3,3 Prozent. Längerfristig sind Analysten für die Telekom aber optimistisch.
Besonders gefragt waren Aktien aus den Branchen Stahl und Baustoffe. Marktbeobachter betonten die Chancen für die Konzerne bei einem Wiederaufbau der Ukraine. Im Dax nahmen Heidelberg Materials mit plus 3,5 Prozent wieder Kurs auf ihr jüngstes Rekordhoch. Im MDax setzten die Anteile des Industrie- und Stahlkonzerns Thyssenkrupp mit plus 8,3 Prozent ihre Rally fort. Klöckner & Co (KlöCo) gewannen im SDax mehr als 12 Prozent, gefolgt von Salzgitter mit plus 9,2 Prozent.
Die Aktien von Ströer reagierten mit einem Kurseinbruch von mehr als 8 Prozent auf abgeflaute Übernahmespekulationen. Laut einem Medienbericht haben die Finanzinvestoren KKR sowie Hellman & Friedman die Gespräche über einen möglichen Kauf des Aussenwerbegeschäfts von Ströer aufgrund von «Meinungsverschiedenheiten über die Preisvorstellung» abgebrochen.
Der Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1 will im neuen Jahr seinen Aufwärtstrend beim operativen Ergebnis fortsetzen und setzt sich höhere Ziele als erwartet. Das kam am Markt extrem gut an. Auf dem ersten Platz im MDax schnellten die Papiere um fast 21 Prozent hoch./edh/he
--- Von Eduard Holetic, dpa-AFX ---
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