Damit dürfte sich der weltweite Handelsstreit erst einmal deutlich verschärfen, hiess es von Experten. Zugleich aber sähen Anleger wohl durchaus gute Chancen, dass es in den kommenden Wochen Verhandlungserfolge zwischen der Europäischen Union und den USA geben werde, schrieb Chef-Marktanalyst Jochen Stanzl vom Broker CMC Marktes. Allerdings sei es ihnen wohl zu heikel, schon vorab darauf zu spekulieren. Doch am Ende könnten auch diese Massnahmen dem altbekannten Muster folgen: Erst drohen, dann verhandeln und dann Kompromisse eingehen.
Der EuroStoxx 50 weitete seine Vortagesverluste aus und schloss 0,57 Prozent schwächer auf 5.381,08 Punkten. Damit fiel der Leitindex der Eurozone noch etwas tiefer unter die den kurzfristigen Trend signalisierenden 21-Tage-Linie, die er tags zuvor gerissen hatte.
Ausserhalb des Euroraums gab der britische FTSE 100 um 0,27 Prozent auf 8.666,12 Punkte nach, während der Schweizer SMI um 0,67 Prozent auf 12.867,23 Punkte sank.
Wer gehofft habe, dass Trump nur gedroht habe, sei nun mit der vom US-Präsidenten öffentlichkeitswirksam unterzeichneten 'Executive Order' eines Besseren belehrt worden, kommentierte Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar vom Broker Robomarkets. «Auch wenn damit das letzte Wort mit dem 'Dealmaker' im Weissen Haus noch nicht gesprochen sein dürfte, eine Eskalation im Handelsstreit der USA gegen den Rest der Welt ist es allemal.»
Autoaktien zählten zu den grössten Tagesverlierern. Im EuroStoxx waren Stellantis das Schlusslicht mit minus 4,3 Prozent. Volkswagen , BMW und Mercedes verloren zwischen 1,5 und 2,7 Prozent. Im Cac 40 gaben die Anteile des Zulieferers Valeo 7,8 Prozent ab.
Ferrari gelang am Nachmittag hingegen der Sprung ins Plus. Die Papiere setzten sich schliesslich sogar an die Spitze des EuroStoxx mit plus 1,8 Prozent. Trotz der angekündigten hohen US-Zölle bestätigte der Sportwagenbauer seine Finanzziele für das laufende Jahr. Die Gewinnmargen könnten allerdings sinken, hiess es. Um den Zöllen Rechnung zu tragen, plant Ferrari zudem, die Preise für einige seiner Fahrzeuge um bis zu zehn Prozent anzuheben.
Aktien von Fluggesellschaften standen wegen Umstufungen der Deutschen Bank im Blick. So büssten Air France-KLM in Paris 4,3 Prozent ein und Easyjet in London 1,5 Prozent, während Ryanair in Dublin um 0,7 Prozent stiegen. Der Anstieg markttechnischer, geopolitischer und konjunktureller Unsicherheit könnte auf absehbare Zeit so bleiben, schrieb Analyst Andy Chu zur europäischen Transportbranche und bevorzugt daher Qualitätsaktien wie das Papier des irischen Billigfliegers. Er hob es daher auf «Buy», während er zugleich Air France auf «Sell» und Easyjet auf «Hold» abstufte.
Die Aktie von UBS büsste 4,1 Prozent ein, nachdem Bank of America den Daumen gesenkt hatte. Sie bewertet das Papier der Schweizer Grossbank nun mit «Underperform». Das Kursziel wurde von 33 auf 28 Franken gekappt.
Rein optischer Natur waren dagegen die Verluste von Roche in Höhe von 2,8 Prozent, denn nominal verlor das Papier des Pharmaunternehmens 8,60 Franken. Zugleich wurde es an diesem Tag ex Dividende gehandelt, wobei 9,70 Franken je Anteil ausgeschüttet wurden.
Spitzenreiter unter den Sektoren war die Einzelhandelsbranche. Das lag vor allem am britischen Einzelhändler Next , dessen Papiere nach erneut starken Quartalszahlen um 10,5 Prozent nach oben sprangen. Die Anteile des Modehändlers H&M gewannen 0,4 Prozent. Die Schweden waren zwar schwächer in das neue Geschäftsjahr gestartet als selbst ursprünglich vorgesehen, doch die Analysten des Investmenthauses Jefferies wiesen darauf hin, dass das Geschäft im März bislang gut verlaufen sei./ck/he
(AWP)