Das scheint fast wie die Quadratur des Kreises. Auf der einen Seite steigt die Zahl der Menschen auf der Erde und steigt und steigt. Das globale jährliche Bevölkerungswachstum liegt bei etwa 1,0 Prozent. Das bedeutet: Jahr für Jahr steigt die Zahl der Menschen auf der Welt um etwa 80 Millionen. Jeder von ihnen braucht zu trinken, für Abwasser, für Ernährung. Derzeit leben auf der Erde etwa 8,2 Milliarden Menschen, in wahrscheinlich schon weniger als zehn Jahren werden es 9,0 Milliarden sein.

Der weltweite Wasserbedarf steigt dadurch aller Voraussicht nach um etwa zehn Prozent. Das Problem einer immer höheren Wassernachfrage wird noch durch vermutlich steigenden Wohlstand in den Schwellen- und Entwicklungsländern und damit verbunden einem überproportional steigendem Wasserverbrauch verschärft.

Laut Studien von Zürcher Kantonalbank, UN und Water Ressources Group soll die weltweite Nachfrage nach Wasser durch Städte, Haushalte, Industrie und Landwirtschaft deshalb von 4,3 Millionen in 2023 bis 2050 auf 5,5 Millionen Kubikkilometer ansteigen. Ein Kubikkilometer ist ein Würfel mit einer Kantenlänge von einem mal einem mal einem Kilometer. Bezogen auf die erwartete Wassernachfrage in 2050 von 5,5 Millionen Kubikkilometern wäre das ein Würfel mit einer Kantenlänge von 175 Kilometern mal 175 Kilometern mal 175 Kilometern. Der prognostizierte Anstieg der Wassernachfrage soll also bis 2050 um rund 30 Prozent zulegen.

Gibt es schon jetzt in vielen Regionen dieser Erde Wassermangel, so wird sich die Situation nach Einschätzung der Experten bis 2050 sogar noch verschlechtern. Schon jetzt liegt die Nachfrage im Jahr um 300 Kubikkilometer über dem Wasserangebot von 4,0 Millionen Kubikkilometern aus nachhaltig nutzbaren Fliessgewässern. Da sich das Wasserangebot nicht beliebig vermehrten lässt oder die Erschliessung noch vorhandener ungenutzter Reserven wie etwa in der Antarktis teuer und aufwendig ist, wird für das Jahr 2050 ein Nachfrageüberhang über das Wasserangebot bis 2050 auf 1,5 Millionen Kubikkilometer vorausgesagt.

Dazu kommt: In immer mehr Regionen auf der Erde wird es Wassermangel geben. So führt beispielsweise das Abschmelzen der Gletscher und Schneemangel im Winter dazu, dass es im Sommer mehr Trockenheit geben wird.

Wasser ist aber nicht nur lebenswichtig, sondern offensichtlich auch ein ganz wichtiger und zusehends relativ noch knapperer Rohstoff. Angesichts des steigenden Wassermangels auf der Welt bietet das Thema für Börsianer spannende Anlagemöglichkeiten.

Denn mit der steigenden Nachfrage wird auch der Preis steigen. Für Unternehmen in dem Sektor eröffnen sich also gleich zwei Umsatz- und Gewinntreiber: Steigende Preise und steigende Nachfrage. Spannend sind dabei aber nicht nur Firmen, die Geld mit Trinkwasser verdienen – das sind Nahrungsmittelkonzerne wie beispielsweise Nestle. Das SMI-Mitglied hat in seinem Portfolio neben den hierzulande und in Europa bekanntesten Marken Perrier und Sanpellegrino weltweit rund 100 verschiedene Wassermarken und ist damit so gut wie in jedem Land auf dem Globus mit einer Wasser-Tochter vertreten.

Die enorme Nachfrage nach Mineralwasser hat ohnehin einen weiteren ganz gewichtigen Grund. Nur 2,5 Prozent des weltweiten Wasservorrats sind Frischwasser, und der Verbrauch hat sich in den letzten 70 Jahren mehr als verdreifacht. Nach Angaben von Vereinten Nationen und Kinderhilfswerk UNICEF haben 2,4 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Mineralwasser ist folglich zusehends gefragt und ein einträgliches Geschäft. So wuchs der weltweite Markt für Mineralwasser zwischen 2019 und 2024 um rund 50 Prozent auf einen Jahresumsatz von etwa 340 Milliarden Euro. Obwohl es in der Schweiz genug sauberes Leitungswasser gibt, stieg der Konsum von Mineralwasser auch hierzulande zwischen 1990 und 2020 von 400 Millionen auf rund 1,0 Milliarden Liter im Jahr. Der Verbrauch an Mineralwasser in der Schweiz verdoppelte sich dabei von rund 60 auf etwa 110 Liter pro Jahr und Kopf.

Es geht aber nicht nur um die Erschliessung neuer Wasserquellen an den Polen der Arktis oder Antarktis, sondern auch um nötige Investitionen in die Wasserinfrastruktur. Die Gemeinschaft für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), geht davon aus, dass in den nächsten fünf Jahren Investitionen in die Wasserinfrastruktur weltweit von 6700 Milliarden Doller alleine für sauberes Trinkwasser und Sanitäreinrichtungen benötigt werden.

Damit eröffnet sich im Wassersektor ein weiteres grosses Anlagethema. Zu Anbietern von Mineralwasser wie Nestle kommen damit auch Firmen, die zum Beispiel auf Wassertests oder entsprechende Chemikalien spezialisiert sind, Unternehmen, die Testausrüstung bieten, die für eine zuverlässige Wasserverteilung sorgen, Wassernetze betreiben oder die sich auf Rohrleitungen und Sanitärprodukte sowie Planungsdienstleistungen fokussieren.

Auf Infrastruktur und Agrartechnologie ist beispielsweise die US-amerikanische Valmont Industries ausgerichtet. Die finnische Kemira Oyj ist dagegen auf die Herstellung chemischer Produkte und integrierter Systeme für wasserintensive Industrien spezialisiert.

Oder Advanced Drainage Systems. Das US-Unternehmen produziert Systeme zum Auffangen und Lagern von Regenwasser und wächst stark. Die kanadische Stantec liefert Wasserversorgungssysteme, insbesondere auch Pipelines, für Städte und Gemeinden.

Profitabel ist das Thema Wasser auf jeden Fall auch für Anleger. Der World Water Index mit rund 20 Firmen aus dem Wassersektor zeigt in den letzten sechs Jahren ein Plus von 70 Prozent. Anleger, die sich nicht mit einer Vielzahl von Firmen des Segments beschäftigen wollen, bieten sich Zertifikate, wie etwa das Zertifikat von Züricher Kantonalbank auf den Swisscanto (LU) Equity Fund Sustainable Water, die breit gestreut in das Thema investieren.