«Obwohl die Zölle höchstwahrscheinlich zumindest einen vorübergehenden Anstieg der Inflation verursachen werden, ist es auch möglich, dass die Auswirkungen länger anhalten», warnte er am Freitag auf einer Wirtschaftsjournalisten-Konferenz in Arlington im Bundesstaat Virginia. Obwohl die Unsicherheit weiterhin gross sei, zeichne sich nun ab, dass die Zollerhöhungen deutlich höher ausfielen als erwartet. Dasselbe gelte wahrscheinlich auch für die wirtschaftlichen Folgen, zu denen ein stärkerer Preisauftrieb und ein langsameres Wachstum gehören würden.
Die Fed sei gut aufgestellt, um auf mehr Klarheit zu warten: «Wir prüfen etwaige Anpassungen unseres geldpolitischen Kurses. Es ist noch zu früh, um zu sagen, welcher geldpolitische Kurs der richtige sein wird.» Trump hat Powell aufgefordert, die Zinsen zu senken. Es sei der «perfekte Zeitpunkt» dafür. Powell, der in der ersten Amtszeit Trumps (2017-2021) bereits mit Zwischenrufen dieser Art aus dem Weissen Haus konfrontiert war, macht die Arbeit an der Spitze der Fed nach eigenem Bekunden weiterhin grossen Spass. Und er habe vor, die Amtszeit voll auszuschöpfen, die im Mai 2026 endet.
Trump hat mit Sonderzöllen einen Frontalangriff auf fast alle wichtigen Handelspartner gestartet und damit eine Eskalationsspirale in Gang gesetzt. China kündigte seinerseits hohe Sonderzölle auf US-Produkte an, was Rezessionsängste an den US-Börsen verstärkte.
«Wir erstellen keine Wahrscheinlichkeitsprognosen darüber, wie wahrscheinlich es ist, dass es zu einer Rezession kommt», sagte Powell. Viele Prognostiker würden dies aber tun. Eine Reihe von ihnen habe in ihren Vorhersagen eine höhere Wahrscheinlichkeit angesetzt, wenn auch von einem sehr niedrigen Niveau aus. Und dies als Folge der jüngsten Schritte der Trump-Regierung mit Blick auf den Handel.
Durch die Zölle dürfte die Inflation in den USA anziehen, da sich importierte Güter verteuern. Ein Risiko, das die US-Zentralbank sehr genau im Blick hat. Vor diesem Hintergrund hat die amerikanische Notenbankerin Adriana Kugler für eine Zinspause plädiert. Die US-Investmentbank Morgan Stanley rechnet wegen der Zollpolitik sogar damit, dass die Fed dieses Jahr ihre geldpolitischen Zügel nicht mehr lockern wird. An den Terminmärkten wird indes nach einer Pause im Mai eine Zinssenkung im Juni für wahrscheinlich gehalten.
(Reuters)