cash.ch: Herr Daniel, ist eine Konfrontation zwischen den Wirtschaftsräumen USA und Europa oder Asien unvermeidlich?
Adrian Daniel: Wir denken schon, dass es in der Hinsicht ein klares Muster gibt. Im Gegensatz zur ersten Amtszeit von Donald Trump werden die Ankündigungen aus dem Wahlkampf jetzt auch in die Tat umgesetzt. Trump hegt eine sehr grosse Sympathie für einen seiner Vorgänger, William McKinley, der von 1897 an US- Präsident war. Er hatte es geschafft, einen grossen Teil der Einnahmenseite über eine Zollpolitik darzustellen. Dafür gab es keine Einkommenssteuern. Auch das hatte Trump einmal vage in Aussicht gestellt. Zu erwarten wäre auch eine Senkung der Unternehmenssteuer, die aktuell bei rund 21 Prozent liegt, auf 15 Prozent. Die Einführung der Zölle ist aus unserer Sicht nicht vermeidbar und schafft einen massiven Umbruch im Welthandel. Gerade stark exportorientierte Länder müssen sich teilweise neu sortieren.
Sie meinen Länder wie Deutschland oder China?
Ich denke dabei insbesondere an China. Die chinesische Volkswirtschaft hatte den US-Konsumenten als einen der wesentlichen Wachstumstreiber der vergangenen Jahre für sich entdeckt. Das wird nun ungleich schwieriger.
Das Zoll-Hickhack hat wenig überraschend zu einer Korrektur an den US-Börsen geführt, speziell im Tech-Sektor. Die Bewertungen dort sind aber immer noch relativ hoch. Wird die Korrektur noch weitergehen?
Das ist schwer zu sagen auf kurze Sicht. Der fundamentale Wachstumstrend in Bezug auf den Technologiesektor ist aus unserer Sicht aber ungebrochen. Die Gesellschaft wird immer digitaler und effizienter. Der Thementrend ‘Künstliche Intelligenz’ steht eher am Anfang seiner Entwicklung, wir werden dort weiterhin stabiles Wachstum sehen. Für einen Investor ist es jedoch schwierig zu erkunden, welche Unternehmen oder Geschäftsmodelle es nun einfach mit nach oben gespült hat. Der fundamentale Trend wird sich allerdings bestätigen. Auch das Internet hat sich durchgesetzt, obwohl am Anfang die Use Cases nicht in vollem Umfang gesehen wurden. Wir befinden uns bei den Technologieunternehmen in einer skalierbaren Welt. Daher wird es nur wenige Unternehmen geben, die das gesamte Potenzial bei den Gewinnen auf sich vereinen können. Viele dieser Unternehmen, wie zum Beispiel die Magnificent Seven, sind aus diesem Grund so darauf erpicht, sehr früh mit hohen Investitionen dabei zu sein. Wer am Ende das Rennen macht, wird sich zeigen.
Sie haben ja auch die Nvidia-Aktie im Fonds, da stellten und stellen sich viele Leute die Frage, ob man die Gewinne mitnehmen oder dabei bleiben soll…
Die Antwort ist: Nvidia hat nach wie vor einen massiven technologischen Vorsprung gegenüber den Mitbewerbern und verfügt über Kostenvorteile, gerade im Hinblick auf den Energieverbrauch zum Beispiel bei Datenzentren. Die Grafikprozessoren von Nvidia sind der Konkurrenz in Sachen Effizienz deutlich voraus. Wir sind seit 2015 konstant in Nvidia investiert, mal mit höherer, mal mit geringerer Gewichtung, da die Nvidia- Aktie zweifelsohne gewisse Schwankungen mit sich bringt. Der Titel befindet sich bei uns in den Top Ten, somit bleiben wir dabei.
Welche anderen KI-Aktien sehen Sie als zukünftige Gewinner?
Sogenannte Hyperscaler sind sicher nicht uninteressant. Unternehmen wie Amazon mit AWS als Platzhirsch im Bereich des Cloud-Geschäfts dürften davon profitieren. Auch Microsoft ist mit Microsoft Azure sehr gut positioniert. Interessant sind auch Unternehmen mit Folgediensten, wie im Bereich der Cyber Security.
Haben Sie in Ihren Fonds grössere Umschichtungen vorgenommen in den letzten Wochen?
Eher auf der Anleihenseite. Auf der Aktienseite sind wir nicht dem neuen Zeitgeist gefolgt, der aufgrund der neuen Fiskalpakete und der Ankündigung einer ‘Sonderverschuldung’ in Deutschland, so möchte ich es mal bezeichnen, entstand. Ich glaube, es braucht mehr, um nachhaltiges Wachstum in Deutschland und in Europa entstehen zu lassen. Ich denke da insbesondere an einen Abbau der Regulatorik in der EU.
Sie haben die Änderungen bei den Bonds angetönt…
Durch die Ankündigung der höheren Verschuldung entfernt sich Deutschland jetzt ein wenig von der Vorstellung, vermeintlich einer der disziplinierten Vorreiter der Maastricht-Kriterien beim Haushalt zu sein. Die Verschuldung wird von etwas mehr als 60 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt auf über 80 Prozent steigen. Das ist natürlich nicht gut für Anleihe-Halter. Dies gerade in einer Welt, in der die US- Amerikaner offenbar erkannt haben, dass sie in den letzten Jahrzehnten über ihre Verhältnisse gelebt haben. Die Amerikaner sehen, dass die Verschuldung ein Problem darstellt und dass daher sie massive Einschnitte auf der Ausgabenseite vornehmen wollen. Als Anleihehalter ist man, so unsere Meinung, in den USA im Moment besser aufgestellt.
Also Sie haben deutsche Anleihen abgebaut und US-Bonds aufgebaut?
Korrekt.
Bei der Duration haben Sie auch etwas geändert?
In Europa haben wir insbesondere die längeren Laufzeiten reduziert. In den USA sind wir eher konstruktiv. Wir gehen weiterhin davon aus, dass die Fed, mit der aktuellen wirtschaftlichen Gemengelage, noch in diesem Jahr die Zinsen senken wird. Ob das dann ein, zwei oder drei Schritte sind, mag dahingestellt sein. In dieser Hinsicht ist die Unterstützung für den Anleihenmarkt in den USA, auch bei mittleren und längeren Anleihen, aktuell positiv zu sehen.
Im Multi-Asset-Fonds haben Sie auch Rohstoffe drin. Das ist aussergewöhnlich.
Ja, das mag sein. Wir bauen das Thema seit zwei Jahren kontinuierlich aus. In unserem Mischfonds 'MainFirst Absolute Return Multi Asset' liegt die Rohstoff-Gewichtung mittlerweile am oberen Rand des Zulässigen von 20 Prozent des Portfolios, insbesondere mit Bezug zu Edelmetallen. Wir sehen, dass in einer Welt von massiv ausufernden Geldmengen, vor allem nun in der Eurozone, Sachgüter eher gesucht sind. Zudem haben wir eine Bipolarität der Welt, die sich mit Trump wahrscheinlich nochmals verstärkt. Starke Wirtschaftsmächte wie die USA werden den BRICS-Staaten oder China entgegenstehen. Die Wertschöpfungsketten werden global teilweise neu sortiert. Die Folge wird eine höhere Bevorratung mit kritischen Rohstoffen sein. Darüber hinaus rücken kritische Rohstoffe immer mehr in den Fokus der geopolitischen Diskussion. Das Interesse Trumps an Grönland ist nur ein Beispiel davon, aber auch die Ausbeutung der Rohstoffe in der Ukraine als ein Deal zur Beendigung des Krieges. Wie sind insbesondere bei Metallen aktiv, das heisst Kupfer und Edelmetalle inklusive Silber.
Ihre grösste Position beim weltweiten Aktienfonds ist der Schweizer Luxusgüterhersteller Richemont. Warum Richemont und nicht etwa Swatch?
Bei Richemont reizt uns insbesondere das Schmuckgeschäft. Da hat es Richemont geschafft, über die letzten Jahre konstant Marktanteile zu gewinnen, gerade mit der Marke Cartier. Das Schmuckgeschäft gibt es bei Swatch nicht. Auch bei der Governance haben wir eine klare Präferenz für Richemont. Die letzten Unternehmensergebnisse von Richemont decken sich mit unseren Erwartungen, sie wurden teilweise gar übertroffen.
Man könnte auch auf andere Firmen mit einem Schmuckgeschäft setzen...
Gerade der Marken-Schmuck ist bei Richemont eine Erfolgsgeschichte. Auch LVMH wollte mit der Übernahme von Tiffany diesem grundsätzlichen strukturellen Wachstumstrend stärker entsprechen. Man wollte die Abhängigkeit von hochpreisiger Mode und bei Handtaschen weg verlagern. Aber hier ist Richemont eben erfolgreicher, was das Wachstum angeht. Wir nehmen dann auch gerne eine höhere Aktienbewertung in Kauf.
Sie haben einen Anlagehorizont von fünf Jahren. Das ist etwas länger als die Laufzeit der Präsidentschaft von Donald Trump. Wie sehen Sie die Entwicklung der Märkte bis dahin?
Die Zeit ist einfach hochspannend aus Anlegersicht, denn wir sehen, dass die Bipolarität der Handelsströme für einen gewissen Umbruch und für Verwerfungen sorgen kann. Diese Umbruchphasen schaffen auch Chancen. So ist es zumindest aus Unternehmenssicht zu begrüssen, dass mit der Trump-Administration der Staatsanteil am Bruttoinlandsprodukt eher wieder zurückgeführt wird. Je kleiner der Staat, desto mehr Raum gibt es den Unternehmen, sich entfalten zu können. Daher sind die Chancen nach wie vor relativ gut, auch für die US-Börsen. Vor dem Hintergrund einer möglichen kriegerischen Aktion zwischen China und Taiwan besteht zudem eine sehr grosse Risiko-Adversität gegen Asien. Dort sind die Bewertungen extrem attraktiv, auch wenn die politische Visibilität nicht ganz gegeben ist. Und zu guter Letzt könnte in Europa mit Trump ein gewisses Umdenken angestossen werden, indem man Dinge auf den Prüfstand stellt. Auf Sicht der nächsten fünf Jahre sehen wir für die Aktienmärkte zumindest keine Minderperformance.
Adrian Daniel stiess 2012 zum MainFirst Investmentteam in Frankfurt. Er ist der hauptverantwortliche Portfoliomanager des «MainFirst Absolute Return Multi Asset» und betreut auch die Fonds «MainFirst Global Equities Unconstrained» und den «MainFirst Global Equities Fund». Von 1996 bis 2012 arbeitete er als Portfoliomanager bei DB Advisors, Deutsche Bank.
Das Interview mit Adrian Daniel fand diese Woche am Rande des Institutional Money Kongress in Frankfurt statt.
1 Kommentar
Viele Aktivitäten von Trump, die Deregulierung (Bsp: Auto - Emissionen), die Abkehr vom "Klimawandel" , die Erschliessung moderner Energiequellen wie Öl-, Gas und Kohle sind positiv für die US- und die Weltwirtschaft.
Die Abschottung der USA vom Welthandel durch aggressive Zölle die Steuern ersetzen sollen ist sehr schlecht für die US Wirtschaft.
Beispiel Kupfer: Die USA produzieren etwa 1/2 des Verbrauchs im eigenen Land. Einige grosse Kupferprojekte wie das Resolution Projekt in Arizona wurden durch grüne NGO mehr als 10 Jahre blockiert. Mit Zöllen wird lediglich der Kupferpreis in den USA nach oben getrieben und die Wirtschaft weniger wettbewerbsfähig. Besser wäre es die Regulierungen die diese Projekt blockieren aufzuheben.
Beispiel Aluminium: Ein grosser Teil des Aluminiumbedarfs der USA wird aus Kanada importiert. Kanada hat einige grosse abgeschriebene Staudämme im Norden deren Stromertrag lediglich für die Aluminiumproduktion genutzt werden kann. Dadurch ist der Strom und damit das Aluminium wesentlich preiswerter als wenn man in den USA Kohlekraftwerke errichten würde um eigene Alu-Schmelzen zu betreiben.
Am Ende ist die US-Wirtschaft und Bevölkerung Hauptleidtragender dieser Zollpolitik.