Die Arbeitswelt wird sich deutlich verändern, sagte Rolf Dörig, Verwaltungsratspräsident der beiden SMI-Konzerne Adecco und Swiss Life, während eines WEF-Podiums mit Bundespräsident Johann Schneider-Ammann und Wirtschaftsvertretern in Davos. "Wir müssen bereit sein, in den nächsten zwanzig Jahren vielleicht zehn Mal den Beruf zu wechseln.".

Es sei entscheidend, dass die Schweizerinnen und Schweizer hier die nötige Flexibilität an den Tag legen müssen. Mit dem dualen Bildungssystem hätte man jedenfalls bereits ein sehr gutes Fundament. Weiter rät Dörig dazu, auf Berufsgattungen zu fokussieren, welche in Zukunft benötigt würden. In erster Linie nennt er Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschaftler und Technologen.

Das Hauptthema des diesjährigen World Economic Forum ist die "vierte industriellen Revolution". Eng verbunden mit diesem Begriff sind Schlagwörter wie Internet der Dinge und künstliche Intelligenz. Roboter können immer mehr Aufgaben der Menschen übernehmen und viele Abläufe werden automatisiert. Dies bringt zwangsläufig auch Änderungen im Arbeitsmarkt: Bisherige Jobs werden überflüssig, während neue Möglichkeiten entstehen.

"Die Arbeit wird durch die weitere Digitalisierung mobiler", ist Dörig überzeugt. Dies sei aus Schweizer Sicht ein grosser Vorteil der Digitalisierung, da so die Gefahr von Arbeitsplätze-Verlagerungen ins Ausland gebannt werden könne.

«Wir dürfen stolzer sein»

Die Schweiz muss sich punkto Wettbewerbsfähigkeit nicht verstecken, sagte Dörig weiter. Schon seit sieben Jahren stehe das Land weltweit auf Rang eins bei globalen Vergleichen der Wettbewerbsfähigkeit. Und dies trotz den jüngsten politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten, welche das Land vor grosse Herausforderungen stellten: Der stark aufgewertete Franken, aber auch viele politische Initiativen, welche die Wirtschaft beeinträchtigen.

"Wir dürfen ruhig etwas stolzer sein", sagt Dörig. Als Schlüssel zum Erfolg sieht er die direkte Demokratie und den Föderalismus. Er fordert deshalb mehr Selbstbewusstsein der Schweizer gegen aussen.

Die grosse Welle an Initiativen, die seit einigen Jahren vor die Urne kommen, sieht Dörig grundsätzlich positiv, da sie den Entscheidungsträgern den nötigen Realitätsbezug geben würden: "Sie zeigen uns, wo im Volk der Schuh drückt." Schlussendlich seien ausbalancierte Lösungen zwischen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Interessen zu treffen, welche helfen, den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu gewährleisten.

Grundsätzlich zeigt sich Dörig sehr zuversichtlich über die Zukunft der Schweiz, warnt jedoch gleichzeitig auch vor zu starken Regulierungen. Diese zeigten ein gewisses Misstrauen des Staates in die Wirtschaft, was wiederum negative Auswirkungen auf Arbeitsfreude und Innovationskraft habe. "Wir müssen möglichst viele Freiheiten haben. Ich bin deshalb auch gegen Frauenquoten, das würde uns nur unnötige Fesseln auflegen", so Dörig.