Der Preis für die Ölsorte Brent werde dieses Jahr wahrscheinlich 150 Dollar pro Barrel erreichen, sagt der erfahrene Rohstoffhändler Doug King. Denn der Angebotsschock durch den Krieg in Europa falle zusammen mit einer widerstandsfähigen Nachfrage von Menschen, die nach der Corona-Pandemie reisen möchten.

Die Welt habe nur wenige Möglichkeiten, mehr Rohöl zu fördern, und es gibt wenig Anzeichen dafür, dass der Konsum bedroht sei, sagte King in einem Interview vom letzten Freitag. King betreibt den Merchant Commodity Fund, der ein Volumen in der Höhe von 425 Millionen Dollar aufweist und in den ersten beiden Monaten dieses Jahres bereits um 28 Prozent angestiegen ist.

"Die Nachfrage nach Flugbenzin wird zurückkommen, das Gleiche gilt für das Reisen", begründete King seine Haltung. "Ich denke, dass die Leute Geld haben. Sie werden es ausgeben, also sehe ich nicht einen Rückgang der Nachfrage zu diesen Preisen."

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Der Ölpreis war bereits auf einem hohen Niveau, bevor Russland in die Ukraine einmarschierte. Denn das Angebot hatte schon zuvor Mühe, mit der Erholung der Nachfrage Schritt zu halten. Die aus dem Ukraine-Krieg resultierenden Finanz-Sanktionen gegen Russland, das zu den grössten Rohölproduzenten der Welt gehört, und die Selbstsanktionierung durch einen Grossteil der Ölbranche liess den Preis für die Sorte Brent Anfang März auf beinahe 140 Dollar hochschiessen. Seither ist der Kurs auf 116 Dollar zurückgekommen.

Versorgungsausfälle aufgrund des Krieges in Europa dürften jeden Rückgang der Nachfrage in den Schatten stellen, da die Menschen mehr reisen wollen, sobald sie die Gelegenheit dazu bekommen, so King. Der Preis-Boden für Brent sei jetzt etwa 100 Dollar, fügte er an.

Grosse Nachwehen durch die Gaskrise des letzten Jahres

Der Merchant-Fonds erzielte im Jahr 2021 eine Rendite von 74 Prozent. King gehörte damit zu einer Gruppe von Hedgefonds-Managern, darunter der in Börsenkreisen bekannte Pierre Andurand, die im vergangenen Jahr stark vom Rohstoffboom profitiert haben.

Der Bloomberg Commodity Spot Index, der die Preise von 23 Energie-, Metall- und Getreidefutures abbildet, ist 2022 bereits um 26 Prozent gestiegen. Und King sieht in diesem Jahr noch viel mehr Potenzial bei den Rohstoffen, da seiner Meinung nach die Lieferketten immer noch "absolut gestresst" sind.

Die enormen Auswirkungen der globalen Gaskrise des letzten Jahres werden sich erst in den nächsten sechs bis zwölf Monaten auf andere Brennstoffquellen und Industrien wie Düngemittel und Fertigung auswirken, wobei der Krieg die Situation "weitaus mehr explosiv" mache, sagte er. 

Die Exploration nach neuen Ölressourcen sei auch eingeschränkt. "Es ist nicht wie in den Jahren 2007 und 2008, wo man Erdölexploration überall gesehen hat und die Ölmultis auf die Ölfelder gingen und dies und jenes entwickeln", sagte er.

(Bloomberg/cash)