Die Stimmung am Schweizer Aktienmarkt präsentierte sich am Dienstag über weite Strecken freundlich. Allerdings ging dem SMI im Tagesverlauf etwas der Schnauf aus. Trotzdem schloss der Leitindex noch deutlich im grünen Bereich. Hoffnungen auf zusätzliche Konjunkturhilfen in den USA zur Überwindung der Coronavirus-Folgen hatten den Märkten weltweit Auftrieb verschafft. Denn in den Vereinigten Staaten zeichnete sich ab, dass sich Präsident Donald Trump mit dem Kongress auf ein zusätzliches Konjunkturpaket im Volumen von bis zu zwei Billionen Dollar einigen könnte.

"Keiner wird die Schuld dafür übernehmen wollen, dass man sich nicht geeinigt hat", meinte ein Analyst. Die politischen Spannungen mit China und die anhaltend hohen Coronavirus-Infektionszahlen blendeten die Investoren dagegen aus. Gut kam auch an, dass Trump niedrigere Steuern auf Kapitalerträge ins Spiel brachte. Das könnte Börsianern zufolge die jüngste Rally noch befeuern. Andere äusserten sich aber auch skeptisch, wie etwa ein Analyst, der sagte: "Ich bin nicht so sicher, ob die US-Wirtschaft oder der Staatshaushalt das im Moment wirklich brauchen."

Der SMI schloss schliesslich 0,62 Prozent höher bei 10'153,24 Punkten. Seinen Tageshöchstwert hatte er am Vormittag bei 10'213 Zählern markiert. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, stieg etwas deutlicher um 0,94 Prozent auf 1'556,36 und der breit gefasste SPI um 0,56 Prozent auf 12'5881,46 Zähler. 27 der 30 SLI-Werte legten zu.

An der Spitze reihten sich diverse Titel mit einer bislang sehr negativen Jahresperformance bei den grössten Gewinnern ein. Dazu zählten die beiden Uhrenpapiere Richemont (+3,1%) und Swatch (+3,2%) oder jene des Personaldienstleisters Adecco (+4,3%).

Auch zu dieser Gruppe gehörte der Tagesüberflieger AMS (+5,7%). Händler reichten eine Studie der ZKB herum, in welcher der Zusammenschluss mit Osram in den höchsten Tönen gelobt wurde. Der faire Wert der Aktie liegt laut dem Analysten rund 60 Prozent über dem aktuellen Kurs.

Kursrakete Alcon

Als Kursrakete zeigten sich bei den Blue Chips auch Alcon (+2,9%). Analysten von JP Morgan trauen der einstigen Novartis-Tochter eine positive Überraschung zu, hiess es im Handel.

Auch Swiss Re (+2,4% auf 73,24 Fr.) konnten für einmal überzeugen und einen Teil der Jahresverluste wettmachen. Nachdem sie die Unterstützungszone um 70 Franken seit Wochen nicht mehr unterschritten haben, scheine ein Ausbruch nach oben über 80 Franken hinaus in einem ersten Schritt durchaus realistisch, hiess es am Markt.

Klar im Plus waren erneut auch die beiden Grossbankenpapiere UBS und CS, die um 1,6, respektive 2,3 Prozent anzogen und damit an die Vortagesgewinne anknüpften.

Ebenfalls klar im grünen Bereich schlossen Novartis (+1,0%). Nestlé (+0,2%) gelang dies nur knapp, Roche hingegen verloren gar 0,2 Prozent.

Ein Minus gab es ebenfalls für Lonza (-2,8%). Händler meinten, dass manche Investoren die Covid-Hoffnungen inzwischen etwas realistischer einschätzten.

Givaudan (-0,9%) schlossen ebenfalls unter negativen Vorzeichen, was nach Zahlen von Konkurrenten im Handel aber eher als Überraschung taxiert wurde.

Molecular Partners profitiert von Covid-Deal

Am breiten Markt war am Dienstag einiges los. So schossen Newron (+24%) nach einem Business-Update und Molecular Partners (+19%) nach einem Covid-Deal mit der Eidgenossenschaft nach oben. Gefragt waren auch Aryzta (+9,8%) nach der Publikation von Juli-Geschäftszahlen sowie Swissquote (+7,5%) und Basilea (+4,6%) nach der Veröffentlichung der Halbjahresresultate.

Auf der anderen Seite kamen die Semesterausweise von Dätwyler (-1,8%) und Tornos (-3,3%) schlecht an. Und bei Evolva kam es nach den positiven Studien-News vom Vortag zu Gewinnmitnahmen (-7,2%).

Nach wie vor sind auch die Penny Stocks ein Thema am Markt. Hier kommt es nun nach dem gewaltigen Anstieg der letzten Zeit ebenfalls zu Gewinnmitnahmen. Relief Therapeutics etwa büssten 35 Prozent ein, The Native gar 52 Prozent.

Zur Rose (-2,3%) musste in Deutschland eine Niederlage einstecken. Die Tochter Docmorris darf dort nach einem Entscheid des Bundesgerichtshofs definitiv keine Apotheken-Automaten betreiben.

(AWP)