Die deutsche Wirtschaft ist einer Umfrage zufolge nach langer Durststrecke zurück in der Wachstumsspur. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft - also Industrie und Dienstleister zusammen - stieg im April um 2,8 Zähler auf 50,5 Punkte, wie der Finanzdienstleister S&P Global am Dienstag zu seiner monatlichen Firmenumfrage mitteilte. Dieser im Fachjargon als Composite PMI bekannte Indikator lag damit erstmals seit zehn Monaten wieder über der Wachstumsschwelle von 50. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten im Mittel nur einen Anstieg auf 48,5 Zähler vorhergesagt.

Triebfeder für die Rückkehr in die Wachstumszone waren die Dienstleister. Der Servicesektor expandierte so kräftig wie zuletzt im Juli 2023: Der entsprechende Barometer-Wert stieg auf 53,3 Punkte. Der Index für die Industrieproduktion verharrte hingegen im rezessiven Bereich bei 45,0 Punkten. Er verbesserte sich jedoch zum zweiten Mal hintereinander.

«Ist die Rezession vorbei?», fragte Chefvolkswirt Cyrus de la Rubia von der Hamburg Commercial Bank (HCOB) - der Sponsorin der Umfrage. Die Antwort darauf sei nicht ganz so einfach, meint der Experte. Zunächst einmal könnte es demnach sein, dass sich die Rezession vor allem auf die Industrie konzentriere, während die Gesamtwirtschaft knapp daran vorbeigeschrammt sein dürfte. «Zweitens deutet der PMI für das verarbeitende Gewerbe nicht darauf hin, dass sich das rezessive Bild in diesem Sektor signifikant geändert hat, auch wenn die Produktion etwas weniger stark schrumpft», analysierte de la Rubia.

Das Bruttoinlandsprodukt dürfte laut Bundesbank im ersten Quartal «leicht zugenommen haben», nachdem es Ende 2023 noch um 0,3 Prozent geschrumpft war. Diese Erwartung werde von einer zuletzt etwas höheren Industrieproduktion getragen, die auch von gestiegenen Warenexporten gestützt wurde, so die Bundesbank.

(Reuters)