«Es dürfte nach meinen derzeitigen Informationen keine Konsequenzen für die Schweiz geben», sagte Keller-Sutter. Sie sei sehr zuversichtlich, dass sich die Vergeltungsmassnahmen, welche die EU gegenüber den USA ergreifen könnte, nicht auf die Schweiz auswirken werden. Das sagte die Bundespräsidentin Keystone-SDA am Rande des G20-Finanzminister- und -Notenbankgouverneur-Treffens in Kapstadt, der Hauptstadt Südafrikas.

Der polnische Finanzminister Andrzej Domanski habe ihr versichert, dass allfällige Massnahmen von Brüssel die Schweiz nicht betreffen würden. Polen hat derzeit den EU-Vorsitz inne. Die Schweiz werde jedoch nicht ganz verschont bleiben, warnte Keller-Sutter. Insbesondere die Lieferketten könnten betroffen sein, nannte sie als Beispiel.

Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump im Januar hielt die Bundesrätin zahlreiche Treffen mit EU-Vertretern ab, um sicherzustellen, dass die Schweiz nicht zwischen die Fronten gerät. Die Schweiz will um jeden Preis vermeiden, dass sie unter den Massnahmen zu leiden hat, die Washington und Brüssel im bevorstehenden Handelskrieg ergreifen könnten.

Ton zwischen USA und EU verschärft sich

Der Ton zwischen den den USA und der EU begann sich derweil zu verschärfen. Trump setzte die EU unter Druck und drohte ihr am Donnerstag zum ersten Mal direkt mit Zöllen. Der französische Wirtschaftsminister Eric Lombard antwortete bereits, dass die EU «das Gleiche tun wird», wenn die Äusserungen des US-Präsidenten Wirklichkeit werden.

Keller-Sutter hat seit der Amtseinführung des Republikaners noch nicht mit ihrem amerikanischen Amtskollegen, Finanzminister Scott Bessent, sprechen können. Beim Treffen der G20-Finanzminister in Kapstadt war kein hochrangiger Vertreter der US-Regierung anwesend.

Bessent nahm jedoch am Donnerstag per Videokonferenz an einem G7-Treffen teil. «Dies ist der allererste Kontakt», so Keller-Sutter. Bisher sei es ihr und ihren Amtskollegen aus anderen Ländern nicht gelungen, eine Verbindung zur US-Regierung herzustellen, sagte sie.

Keine Krise in der Bundesverwaltung

Auf die Frage nach den Abgängen von Armeechef Thomas Süssli und Nachrichtendienstchef Christian Dussey sagte die Bundespräsidentin, sie sehe keine Krise in der Bundesverwaltung. Keller-Sutter erklärte, sie habe die Nachricht am Dienstag, dem Tag der Bekanntgabe der Abgänge durch die Medien, erfahren.

Auf die Frage nach den Gerüchten, dass das Leak an die Presse aus ihrem Departement stamme, sagte Keller-Sutter, sie kommentiere die Gerüchte nicht.

(AWP/cash)