Unter dem Strich schrieb die "neue" UBS im vierten Quartal 2023 einen Verlust von 279 Millionen Dollar. Es ist das zweite Quartal, in dem die übernommene Credit Suisse voll mitgerechnet ist. Die Zahl war etwas besser, als vom Markt erwartet worden war.

Vor Steuern ergab sich ein Minus von 751 Millionen, wobei darin unter anderem ein Verlust von 508 Millionen im Zusammenhang mit der Beteiligung an der SIX Group enthalten ist. Auf bereinigter Basis spricht die UBS von einem Vorsteuergewinn von 592 Millionen im vierten Quartal. Für das Gesamtjahr 2023 weist die UBS derweil einen Rekordgewinn von 29 Milliarden aus, der allerdings im Zusammenhang mit der Übernahme der Credit Suisse steht. 

Die Dividende soll auf 70 US-Cent erhöht werden, Analysten hatten im Schnitt mit 58 Cent gerechnet. Das Aktienrückkaufprogramm soll in diesem Jahr wieder aufgenommen werden.

Das alles reicht nicht, um die Investoren am Dienstag zu überzeugen. Die Aktie der UBS fällt nach Handelseröffnung bis 3 Prozent auf 25 Franken.

Ein Händler begründet dies zunächst mit Gewinnmitnahmen, nachdem der Titel im Vorjahr mehr als 50 Prozent hinzugewonnen hatte. Aber es gibt einige andere Gründe.

So liege der Umfang des Aktienrückkaufprogrammes bloss im Rahmen dessen, was der Markt schon erwartet habe, schreibt etwa der Analyst von Keefe, Bruyette & Woods (KBW) in einer Notiz.

Kostenentwicklung bei der UBS «enttäuschend»

Experten monieren den etwas tiefer als erwartet ausgefallenen Geschäftsertrag und vor allem den stark gestiegenen Geschäftsaufwand. Der renommierte JPMorgan-Analyst Kian Abouhossein schreibt, die Resultate der Bank seien wegen der höheren Kosten schwächer ausgefallen. Auch RBC beurteilt die Kostenentwicklung als "enttäuschend"

Vom Investment Banking der UBS hatten sich Investoren deutlich mehr erhofft. Die Investment Bank müsse nun performen, da sie in den roten Zahlen operiere, fordert Abouhossein von JPMorgan. 

Für das vierte Quartal hat die Investment Bank der UBS wegen hoher Personalkosten und geringer Erträge einen bereinigten Vorsteuerverlust von 280 Millionen Dollar ausgewiesen. Die Bank erwartet für die Geschäftseinheit im ersten Quartals wieder schwarze Zahlen. 

Auch für die Vermögensverwaltung gibt es Abstriche: "Während die Nettoneugelder im vierten Quartal wiederum positiv waren, hat sich der Schwung gegenüber dem Vorquartal etwas verlangsamt", schreibt etwa die Zürcher Kantonalbank.

Insgesamt dürften die Gewinnschätzungen des Marktes für die UBS nach den am Dienstag bekannt gegebenen Zahlen für 2024 und 2025 etwas tiefer angesetzt werden, schreibt der Analyst von Citi. Die Bank stehe vor einem "herausfordernden Jahr", so KBW.

Die Bank Vontobel sieht dies ähnlich. Nach erheblichen Fortschritten bei der Restrukturierung habe die UBS zwar weitere Fortschritte gemacht. "Es gibt aber noch viel zu tun, insbesondere im Jahr 2024 mit den Fusionen nach der Übernahme der Credit Suisse."

Schliesslich dürfte die UBS am Markt auch unter dem Konkurrenzvergleich leiden. Die italienische Grossbank UniCredit gab am Montag einen Rekordgewinn bekannt, der alle Erwartungen übertraf und die Aktie über 10 Prozent steigen liess. Den Aktionären winken Ausschüttungen und Aktienrückkäufe in Milliardenhöhe.

UniCredit-CEO Andrea Orcel, Investmentbanking-Chef der UBS von 2014 bis 2018, senkte die Betriebskosten um ein Prozent. Das Kosten-Ertrags-Verhältnis beträgt für eine Grossbank nun noch unüblich tiefe 40 Prozent.

(mit Material von Bloomberg)

Daniel Hügli
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