Zugleich gebe es aber Hinweise darauf, dass sich seit Dezember die Risikobilanz geändert habe und eine zu hohe Inflation nun eine grössere Gefahr darstelle, hiess es in dem Dokument zur Zinssitzung am 29. und 30. Januar, das die Europäische Zentralbanbk (EZB) am Donnerstag in Frankfurt veröffentlichte. «Es wurde argumentiert, dass angesichts der vorherrschenden Unsicherheiten grössere Vorsicht beim Umfang und beim Tempo weiterer Zinssenkungen geboten sei, wenn sich die Leitzinsen dem neutralen Bereich nähern», hiess es darin. Ein Zinsniveau gilt dann als neutral, wenn es eine Volkswirtschaft weder bremst noch anheizt.

Auf ihrem Januar-Treffen hatte die EZB den Einlagensatz, den Geldhäuser erhalten, wenn sie bei der Notenbank überschüssige Gelder parken und der inzwischen als Leitzins in der Euro-Zone gilt, um einen viertel Prozentpunkt auf 2,75 Prozent gesenkt. Es war bereits der fünfte Schritt nach unten, seit die Euro-Wächter im Juni 2024 angesichts einer nachlassenden Inflation auf einen Zinssenkungskurs umgeschwenkt waren. Der nächste Zinsentscheid der EZB steht bereits am kommenden Donnerstag an.

Laut dem Protokoll hielten die Währungshüter an ihrer Einschätzung fest, dass das Zinsniveau immer noch restriktiv ist, also die Wirtschaft bremst. «Gleichzeitig wurde die Ansicht geäussert, dass der natürliche oder neutrale Zins wahrscheinlich höher liege als vor der Pandemie», hiess es im Dokument. Am Finanzmarkt wird derzeit davon ausgegangen, dass die am nächsten Donnerstag auf ihrer März-Zinssitzug erneut die Schlüsselsätze um einen viertel Prozentpunkt senken wird. Zum Jahresende wird ein Einlagensatz um die 2,0 Prozent erwartet. 

(Reuters)