Nicht nur das neue Smartphone von Apple wird am Freitag in der Schweiz lanciert. Auch der Online-Broker Swissquote schaltete am frühen Morgen zusammen mit den Halbjahresresultaten ein neues Tool auf seiner Internet-Plattform auf, das es so in Europa noch nirgends gibt: Einen persönlichen elektronischen Vermögensverwalter und Anlageberater.

«Wir werden das ePrivate Banking aggressiv verkaufen», kündigt Marc Bürki, CEO von Swissquote, im cash-Video-Interview an. Das ist eine Kampfansage an die Privatbanken, der Preis steht im Mittelpunkt. Dem Kunden entstehen jährlich im Schnitt rund 1 Prozent an Kosten zu (0,5 Prozent Management Fee und Kommissionsgebühren von 0,1 Prozent). «Das ist kein Vergleich zu einer Privatbank», so Bürki.

«Mobile Offensive» an Privatbanken

Die «mobile Offensive» ist eine Kampfansage an die etablierten Privatbanken. Bürki geht von einem Potenzial in der Schweiz von über 200'000 Kunden aus. «Wir geben uns zehn Jahre Zeit, um diese Zahl zu erreichen», sagt der Swissquote-Chef. Innert fünf Jahren will man die Hälfte, also 100'000 Kunden gewonnen haben.

Im Durchschnitt sollen die neuen Kunden ein Vermögen von 200'000 bis 250'000 Franken mitbringen. Bei einer traditionellen Privatbank liegt die Mindestschwelle für das Private Banking bei zwischen einer halben und einer Million Franken.

Kurz- bis mittelfristige Budgetziele und Wachstumsraten wollte Bürki keine nennen. Das werde Christoph Hartgens, ex-CEO des kleineren Konkurrenten Tradejet, der von Swissquote jüngst geschluckt wurde, am Ende des Geschäftsjahres tun.

Der neue Leiter der lancierten Private-Banking-Sparte erklärt: «Ich hatte in meiner alten Funktion Einblick in viele Datenbanken diverser Finanzinstitute. Das, was Swissquote da aufgebaut hat, ist grandios.»

«Tool ist kopierbar, aber wir sind weit voraus»

Natürlich sei das Tool in der Theorie durch andere Banken kopierbar. Bekannt ist Hartgens nur die Nettobank in der Schweiz, die an einem ähnlichen Tool arbeitet. Auch bei der französischen Crédit Agricole experimentiere man damit. Swissquote sei auf dem europäischen Markt allerdings allen einen grossen Schritt voraus. «Da ist sehr viel Fleisch am Knochen», sagt Hartgens.

Und so funktioniert das Tool: Schritt für Schritt erstellt der Kunde ein persönliches Risikoprofil, formuliert seine Investitionsvorlieben. Dann prüft ein virtueller Anlageberater die Depotgestaltung und macht konkrete Vorschläge. Der Kauf oder Verkauf von beispielsweise Aktien übernimmt der eVermögensverwalter je nach Gutdünken.

«Das System handelt kalt und ohne Emotion», sagt Bürki, der davon überzeugt ist, dass sich diese Art der Vermögensverwaltung in Europa durchsetzen wird. Allerdings stünden hinter der Technik immer noch Menschen, die die Prozesse überwachen.

Individuelle Risiken sollen überschaubar sein

Und: «Wir garantieren den Kunden, dass ein Portfolio nie aus der gewählten Risikobandbreite heraus fällt», so Bürki. Gegenüber der Finanzmarktaufsicht Finma habe man die gleichen Pflichten und Rechte wie eine gewöhnliche Privatbank.

Neben den Bereichen Trading, eForex und Sparkonto soll das neue Kundensegment zum vierten Ertragspfeiler der Online-Bank werden. «Bereits im dritten Quartal 2010 wird es Erträge beisteuern», sagt Bürki.

Wichtigster Ertragspfeiler bleibt das Segment Trading mit knapp 150'000 Kunden. Mit mobilen Applikationen für iPad, iPhone, aber auch für Android und Blackberry will Bürki stark wachsen. «Wir investieren derzeit sehr viel in mobile Applikationen.» Bereits 10 Prozent aller Transaktionen gingen heute über Smartphones. «In den nächsten drei Jahren werden 40 bis 50 Prozent der Trades über mobile Applikationen getätigt», sagt Bürki im cash-Video-Interview.