Kommentar
Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Bittere Erkenntnisse bei Banken-Neugeldern
Noch haben nicht alle Privatbanken und Vermögensverwalter ihre Geschäftszahlen 2009 publiziert. Aber die vorliegenden Resultate festigen bisherige Trends – und bringen bittere Erkenntnisse.
Erkenntnis Nummer eins: Die Kunden suchen weiter Sicherheit. Das zeigt sich bei den Neugeldzuflüssen von staatlichen Institutionen wie Kantonalbanken, Postfinance, aber auch bei der Bank Sarasin mit dem Triple-A-Rating der Muttergesellschaft Rabobank. Dass die Schweizer Kundengeldflüsse bei einer UBS weiter in die andere Richtung zeigen, passt ins Bild.
Erkenntnis Nummer zwei: Der Finanzplatz Schweiz spürt den internationalen Druck auf die «offshore»-Zentren. Was die Bank Julius Bär im Herbst zum erstenmal andeutete, dass sie das «angespannte regulatorische Umfeld in europäischen Ländern» spüre, hat sich bei anderen Banken bestätigt. Der Private-Banking-Neugeldzufluss bei einer Bank Vontobel etwa hat ein Mehrjahrestief erreicht und verkam zu einem regelrechten Rinnsal. Und dies in einem Jahr, in welchem der Swiss Market Index fast 20 Prozent zulegen konnte.
Erkenntnis Nummer drei: Die Post bei den Neugeldern geht noch mehr in den Schwellenländern ab, die man aus Bankensicht gar nicht mehr so bezeichnen darf. Kundengelder in der Höhe von geschätzten 520 Milliarden Dollar haben seit Anfang 2008 die «offshore»-Zentren in Europa verlassen. Die überwiegende Mehrheit der Assets ging nach Asien.
Es scheint schon fast eine Binsenwahrheit: Schweizer Privatbanken und Vermögensverwalter müssen sich in Zukunft auf weniger Kundengelder einstellen - wie immer letztlich Strategie und Leitplanken des Finanzplatzes Schweiz aussehen werden.
Viele Privatbanken haben eine Vorwärtsstrategie entwickelt. Pictet, Sarasin, EFG, Lombard Odier Darier Hentsch. Sie alle bauen mit Hochdruck ihr Private Banking in Asien aus. Das ist sehr kostspielig und erfordert Jahre Geduld. Die Frontrunner aus Schweizer Sicht, UBS und Credit Suisse, können ein Lied davon singen.
Einige der Banken werden mit den Asien-Offensiven reüssieren. Andere, vor allem zu spät gekommene oder solche, die jetzt noch auf den Zug aufspringen, werden scheitern.
Andere Vermögensverwalter, und dies gilt für kleine und mittelgrosse, müssen sich strategisch neu aufstellen und neue Geschäftsmodelle definieren. Das gilt auch für solche, bei denen das Private Banking während Jahren mehr schlecht als recht neben anderen Standbeinen mitlief. Es gilt schliesslich auch für die Vermögensverwalter, welche sich in der Vergangenheit zu sehr auf unversteuerte Gelder verlassen haben.
Unter letztgenannten Banken wird sich der Konsolidierungsprozess beschleunigen, einige Namen werden verschwinden. 2010 und in den nächsten Jahren wird es wegen des Drucks zu vermehrten Kooperationen kommen. Passend dazu ist die Meldung vom Dienstag, wonach Liechtensteins Banken Nummer zwei und drei, die LLB und die VP Bank, bei der Informatik und Logistik zusammenarbeiten wollen.
Das bringt uns hier zur letzten Erkenntnis: Die wegweisenden Meldungen in Sachen Finanzplatz-Entwicklung kommen derzeit aus Liechtenstein, nicht aus der Schweiz.
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