Das andere Radio im Handy
22.03.2009 von Peter WolfMeine Kolumne im CASH gibts zwar nicht mehr, weil es das CASH auf Papier nicht mehr gibt - das heisst aber nicht, dass ich nicht trotzdem weiterhin am Sonntag Morgen das BedĂĽrfnis habe, zum Last Minute Panic Creative zu werden und einen Text zum Thema “Mobile” zu verfassen.
Heute zum Beispiel habe ich entdeckt, dass mir Radiohören tatsächlich Spass bereiten kann. Zwar nicht so, wie mans im letzten Jahrhundert konsumierte (als Gutelaunediktator aus dem Wecker oder als Fahrgeräuschübertöner aus dem Autoradio), sondern on Demand. Und dann auch ohne das Gedudel zwischen den Wortmeldungen.
Die Musik, die mir passt, kann ich mir mittlerweilen selber besorgen. Vorbei die Zeiten, als man dafĂĽr aufs Radio angewiesen war und am Wochenende mit dem Kassettenrecorder vor dem Radio sass und versuchte, aus der Hitparade einige einigermassen gute Songs aufzunehmen, die einen durch die Woche retten sollten. Jetzt habe ich entweder einen MP3-Player mit meiner Lieblingsmusik, oder 16GB Musik auf der microSD-Karte meines BlackBerrys oder ich benutze Sony Ericssons Service “PlayNow Plus”, um jederzeit und unterwegs genau den Song innert Sekunden herunterzuladen, den ich gerade hören will.
FĂĽrs Hintergrundgedudel brauche ich also keine Radiostation mehr. Aktuelle Nachrichten könnte sie mir gerne im Stil von Geisterfahrerwarnungen ins laufende Program einblenden. Im Gegensatz zum brutal unterbrechenden Verkehrsbericht könnte ein Wortbeitrag dann aber auch in meinem Abspielgerät zwischengespeichert werden, bis der aktuelle Song fertig ist, und erst dann abgespielt werden. Wenn ich nicht interessiert bin, springe ich einfach weiter. Wie ich dies auch mit Songs mache, die mir nicht gefallen. Versuchen Sie dies mal mit einem nervigen Lied im Radio! Das mĂĽssen Sie bis zum bitteren Ende zu Ende hören…
Wenn man nicht die eigene Musik hören will, kann zwecks Berieselung auch Webradio gehört werden. Da gibt es mehr Genres als bei uns Radiostationen und somit für jeden Geschmack etwas. Was aber ist mit den Infos, den Umfragen, den interessanten Beiträgen? Die gibts eh als Podcast, wenn eine Radiostation schlau genug ist, zu erkennen, dass sie ihre Perlen nicht bloss einmal versenden und danach vergessen sollte.
Diese Inhalte kann man mit dem PC mit einem Podcast-Client beziehen, aber auch mit Mobiltelefonen lassen sich Podcasts abonnieren - zum Beispiel mit einigen Nokias (wenn mans schafft, den kostenlosen Podcast-Client herunterzuladen und zu finden). Auch der RSS-Reader “Viigo” fĂĽr BlackBerry und Windows Mobile kann mit Audiodaten umgehen.
Das Programm, das mir die Freude am Radiohören wiedergebracht hat, heisst “Stitcher Radio” und läuft auf dem iPhone. Es macht nichts anderes, als personalisierte News aneinanderzuhängen und zum iPhone zu streamen. Was einem nicht gefällt, kann man ĂĽberspringen mittels Tippen aufs Symbol, das den Daumen nach unten zeigt. Was einem gefällt, kriegt ein “Thumbs up” - und dies signalisiert dem Programm, dass es Ă„hnliches zusammensuchen und präsentieren soll.
Auf diese Art bin ich von “You Can’t Make This Stuff Up” (eine Art “die Welt spinnt” von CNNs Jim Ribble) via “Oddly Enough” (Reuters) auf “The Onion Radio Show” gestossen.
Natürlich gibts auch eine Menge seriösen Inhalt von CNN, AP, BBC etc. Die eigenen Favoriten lassen sich ganz einfach zu einer eigenen Radioshow zusammenklicken, die man jederzeit anhören kann. Viel cooler als linearer Radiokonsum!








